Freddie Mercury in „Bohemian Rhapsody“

Freddie Mercury: Rock-Ikone für die Ewigkeit

Der Sänger von Queen ist 1991 an Aids gestorben. Bis zum Schluss weigerte er sich, dieses Schicksal anzunehmen, lange hielt er die Krankheit geheim. Am 24. November jährt sich sein Todestag zum 27. Mal … für viele ist es wie gestern …

Seine Bühnenpräsenz ist unverwechselbar. Er stellt sich vor die 70.000 Leute im Wembley-Stadion, spielt mit ihnen. Er singt etwas vor, lässt die Leute nachsingen, immer verrücktere Sachen. Am Ende sagt er „Fuck you“, lacht – und dann stimmt der Rest der Band „Under Pressure“ an. 1986 gehören Queen, bestehend aus Freddie Mercury (Gesang, Klavier, Gitarre), Brian May (Gitarre/Gesang), Roger Taylor (Schlagzeug/Gesang) und John Deacon (Bass), zu den absoluten Superstars, sie sind mittlerweile ein Stadion-Band. Freddie Mercury ist schon längst eine Ikone. Er kann die großen Gesten, kann sich selbst inszenieren, und … über sich selbst lachen. Androgyn wie David Bowie, wirkt er allerdings nicht so kalt wie sein Kollege, sondern spielt beide Seiten bis ins Äußerste aus – die männliche wie die weibliche. Dazu seine Stimme, die selbst neben der von Operndiva Montserrat Caballé nicht abflacht – er beherrscht vier Oktaven. Ein Arbeitstier, perfekt in seinen pathetischen Gesten, seinen Tanzschritten, in seinem Mienenspiel, von zitternden Lippen bis hin zum durchdringenden, manchmal spöttischen Blick.

Privatleben ist tabu

Privatleben und Bühnenperson trennt Freddie Mercury strikt. Homosexualität? Von ihm ist kein Wort darüber rauszubekommen. Als ihn eine ganz gewitzte Reporterin 1985 in Rio fragt, ob der Song „I Want To Break Free“ etwas mit der Selbstbefreiung schwuler Männer zu tun habe, pariert er: „Den Song hat John Deacon geschrieben. Der Mann ist glücklich verheiratet mit vier Kindern, ich habe keine Ahnung, woher Sie sowas nehmen.“ In einem anderen Interview erzählt er, dass er eigentlich gar nicht gerne Interviews gibt. Er hasse es, mit Leuten zu reden, die er nicht kennt. Wenn Freddie Mercury aber warm wird, spasst er herum und gibt humorige Antworten: „Wenn die Leute aufhören, unsere Platten zu kaufen, dann muss ich wohl Striptänzer werden und müsste zu den Songs strippen, die ich geschrieben habe.“

Der Verdacht, Freddie Mercury sei homosexuell, hält sich jedoch hartnäckig. Die 1980er sind das Jahrzehnt, in dem die Welt eine neue, tückische Krankheit kennenlernt: die Immunschwäche Aids. Das Virus wird vor allem bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr übertragen und breitet sich rasant, gerade in der Schwulenszene aus. Mercury ist mittendrin, feiert wilde Partys, hat auch Männerbeziehungen. Das weiß niemand offiziell, doch irgendwo gibt es immer Informationslecks. Er soll sich sogar einem Aidstest unterzogen haben, berichtet die Klatschpresse 1985, Mercury streitet das ab.

AIDS – nicht mit Freddie Mercury

Über den Zeitpunkt, an dem Mercury von seiner Krankheit erfährt, gibt es verschiedene Aussagen. Häppchenweise gibt er Infos an seine engsten Freunde heraus. Selbst der Band sagt er zunächst nicht, was los ist. Alle sehen nur, dass er sehr krank ist und sich sein Zustand von Monat zu Monat verschlechtert. Als sie touren wollen, lehnt er es ab, auf Konzertreise zu gehen. „Wir wussten tatsächlich eine Zeitlang nicht, was mit ihm los war“, erzählt Brian May. „Es war wie ein ungeschriebenes Gesetz, dass einfach nicht darüber gesprochen werden durfte.“ Er wird immer dünner, ausgezehrter. Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt bei den 1990er Brit Awards – Queen erhalten einen Ehrenpreis für ihren „herausragenden Beitrag zur britischen Musik“ – ist er stark abgemagert; die Dankesrede hält Brian May, der versucht, witzig zu sein. Alle wirken bedrückt, was dem Publikum und der Presse nicht verborgen bleibt. Die Reporter bleiben ihm den ganzen Abend auf den Fersen, auf Fotos, die während der Aftershow-Party geschossen werden, sieht Freddie schrecklich aus.

Mit letzter Kraft das letzte Album

Queen gehen ins Studio, um das Album „Innuendo“ aufzunehmen. Brian May in einem späteren Interview: „Wir haben das Album mit dem Wissen aufgenommen, dass wir nicht mehr viel Zeit hatten.“ Freddie selber will nach wie vor nicht darüber reden. Er will „Musik machen, bis er umfällt“, sagt er zu seinen Kollegen. Brian May: „Er hat furchtbar gelitten. Aber er ließ es sich nicht anmerken. Ich habe ihn nie jammern gehört.“ Erst im Januar 1991 packt er auch endlich vor seinen Kollegen aus.

Das Video zu „These Are The Days Of Our Lives“ entsteht, Mercury singt ein letztes Mal – mit letzter Kraft und eiserner Disziplin. Bis zu seinem Tod ist er wie ein Besessener auf seine Arbeit fokussiert, er will Dinge zu Ende bringen. Wichtig ist ihm im Sommer ’91 noch, dass die Aufnahme zu dem Song „Mother Love“ im Kasten ist. Stückchenweise wird das Lied aufgenommen, einen Monat vor seinem Tod ist der Song fertig. Er wird erst 1995 auf dem Album „Made In Heaven“ erscheinen, zusammen mit dem Song „Too Much Love Will Kill You“.

Am 23. November 1991 erklärt er in einer Pressemitteilung: „Ja, ich habe AIDS.“ Nur einen Tag später stirbt er an einer Lungenentzündung, die bis dahin doch anhnungslosen Fans sind zutiefst geschockt, viele weinen.

Livehaftig

Im Jahr nach seinem Tod versammeln sich die verbleibenden drei Mitglieder von Queen und alle großen Stars der frühen 1990er zu einem Tribute-Konzert. Elton John und Axl Rose singen „Bohemian Rhapsody“. Gänsehaut im kompletten Stadion, als im opernhaften Mittelteil die Band verstummt und Mercurys Originalgesang ertönt: „I see a little silhouette of a man…“ Bis heute verfahren Queen so, wenn sie diesen Song spielen. Freddie Mercury ist seit fast 27 Jahren tot, doch er ist nie abgetreten. In einem Interview sagte er einmal: „Ob ich das alles wieder tun würde? Natürlich – warum nicht? Vielleicht ein kleines bisschen anders.“