Rock And Roll Junkie – Wasted Youth: Wie die Eighties wirklich waren / Down to Zero

Hinter Rock And Roll Junkie verbirgt sich Dr. Achim Heinze, der – Jahrgang 1971 und damit eben in dieser Dekade aufgewachsen – in seinem Buch ein recht spaßiges Bild der rockigen 80er zeichnet. Auch wenn er im Nachwort darauf hinweist, dass es sich um kein autobiografisches Werk handle – ich selbst bin in der gleichen Zeit aufgewachsen und finde mehr als nur eine Parallele zu meinen eigenen Erlebnissen. Denn seien wir ehrlich, in jeder Clique gab es einen Metalhead, der so richtig auf die Musik und den Lifestyle abfuhr. Und genauso gab es Begebenheiten, die sich mit den im Buch beschriebenen Aktionen decken. Gut, auf dem Abschlussball die Sicherung rauszudrehen und dann im Schutze der Dunkelheit ein großes Geschäft auf der Tanzfläche zu verrichten gabs wohl eher nicht, aber diverse Alkoholabstürze, musikalische Gehversuche als Band, Mopedtouren…das alles klingt bekannt. Erste Liebe, Abschluss, erste Lehre, das auseinander brechen der Clique – auch das kennen wir alle. Der Protagonist wird auf Grund eines missglückten Einsatzes als Drogenkurier dann eingesperrt, und als er wieder raus kommt, ist alles anders. Grunge ist da, Metal weg, die Mauer auch, und auch sonst vollzieht sich dann so langsam der Prozess des Erwachsenwerdens. Man besucht alte Freunde, um festzustellen, dass da nichts mehr ist. Und so ist das Buch, dessen 70 (!) Kapitel allesamt nach Songtiteln benannt sind, einerseits ein launiges Zeitdokument, das im letzten Drittel auch eine gewisse Wehmut transportiert. Parallel dazu hat der Junkie ein Album veröffentlicht, das ebenfalls „Wasted Youth“ heißt und sozusagen der Soundtrack zum Buch ist. Beides sollte man zusammen genießen, denn dann wird da eine runde Sache draus. Aber auch solo ist der Roman gelungene Unterhaltung. Kurz zum Album: Rock And Roll Junkie ist quasi eine Ein Mann Show. Der Protagonist hat nahezu alles selbst eingespielt und gesungen (gut, vereinzelt hat sein Bruder mitgeholfen). Damit nicht genug, ist das Album sozusagen der Soundtrack zum gleichnamigen Buch (Rezension ebenfalls bei uns auf der Seite zu finden). Die Musik liegt irgendwo zwischen alten Scorpions, Backyard Babies, Hellacopters und Hanoi Rocks, und auch wenn man deutlich merkt, dass hier kein Vollprofi am Werk ist, entbehrt das Ganze nicht eines gewissen nostalgischen Charmes. Es klingt in der Tat wie Proberaumaufnahmen aus den 80ern, weit entfernt von der sterilen Perfektion heutiger Produktionen. Allerdings sei ein bisschen gewarnt: Man muss im Grunde Buch und CD als Gesamtkunstwerk betrachten, denn das Album alleine funktioniert am Ende nur bedingt. Auch wenn mit dem Opener „Wasted“ gleich ein toller Song anrollt, ist das Niveau auf der CD dann doch etwas durchwachsener geraten – jedoch auf jeden Fall ausbaufähig und für ein Erstlingswerk noch okay.

( 6,5/ 10 – MH)

Label: Rediroma Verlag / Timezone