Echos: Einfach mal diese schnelllebige Welt für einen kurzen Zeitraum verlassen …

Echoes, eine jener Tribute-Bands, die wahrlich die Bezeichnung „einzigartig” verdient – inspiriert durch Pink Floyd. Die Band, die seit 1995 die Rock Szene unsicher macht, hat Ende Februar nun ihr neuen Release „Live From The Dark Side“ veröffentlicht. Pink Floyd’s Musik wird niemals aussterben. Irgendwo werden sich immer Fans finden, die beim Genuss ihrer Lieblingsband auf den Trichter kommen, den Herren zu huldigen. So ähnlich war es wohl auch im Falle Echoes. Frontmann, zugleich Sänger und Gitarrist Oliver Hartmann plaudert über das musikalische Schaffen dieser Tribute-Band und erläutert, was ihn persönlich mit den britischen Visionären verbindet.

Hardline: Hi Olli, wie geht’s dir? Wie war die „Acoustic Tour 2019“?
Oliver Hartmann: Mir geht es sehr gut, danke! Mit unserem Acoustic-Projekt „Barefoot To The Moon“ sind wir nun mittlerweile schon das vierte Mal unterwegs. Auch die diesjährige Tour war wieder sehr erfolgreich und wir hatten jede Menge Spaß, das Songmaterial von Pink Floyd erneut in einem etwas anderen Gewand zu präsentieren, als man es normalerweise von Tribute-Bands kennt. Eben rein akustisch und mit einem zusätzlichen Streichquartett.
HL: Echoes existiert nun schon seit 1995, bisweilen tourt ihr auch über die Landesgrenzen hinaus. Was ist dein bisheriges Fazit zur Tribute-Band? Warum ist das Projekt so erfolgsversprechend?
Oliver Hartmann: Die Band gibt es wie du sagst seit mittlerweile über 20 Jahren. Ich kam 2003 zur Band dazu und über die ganzen letzten Jahre hinweg hat Echoes stetig an Popularität gewonnen. Es ist natürlich immer schwer zu sagen, was das entscheidende Erfolgsgeheimnis ist, aber ich bin überzeugt davon, dass die Leute uns anmerken, dass wir das was wir tun einfach gerne tun. Und auch durchaus hier und da unsere eigene Note mit einfließen lassen, was für uns und für mich als Musiker auch sehr wichtig ist. Natürlich spielen wir die Songs nach, aber lassen uns an bestimmten Stellen auch den Freiraum für Interpretationen. Ich denke, das weiß unser Publikum auch zu schätzen, dass die Persönlichkeit des einzelnen Musikers nicht hinter allem ansteht und nicht alles Note für Note nachgespielt sein muss.
HL: Du hast in deiner Karriere mit vielen Musikern an Projekten/Bands zusammengearbeitet. Tobias Sammet von Avantasia, Ex-Rock Meets Classic und Genius sind da nur einige Namen. Welche der Kollegen/Bands haben dich nachhaltig beeindruckt?
Oliver Hartmann: Durch speziell diese beiden Projekte habe ich natürlich unwahrscheinlich viele Stars und Musiker kennengelernt. Auch viele, die ich als Musiker schon immer verehrt habe. Da ist es natürlich schön, wenn hier und da aus der musikalischen Begegnung auch mal Freundschaften werden. Es gibt viele die mich nachhaltig beeindruckt haben, uns das nicht nur als Musiker, sondern auch als Menschen. Einer war definitiv Rick Parfitt, leider vor zwei Jahren verstorben, der immer gut gelaunt und völlig entspannt war, immer Gentleman und dir auch sein Bügeleisen geliehen hat. Keinerlei Rockstar-Attitüden. Dasselbe bei Alice Cooper, der dich gefragt hat, wie dein Tag war, ob alles passt und wie es Dir geht. Nicht selbstverständlich. Bei Avantasia ist es eh noch einmal anders, da das mittlerweile ein wirklich eingeschworener Haufen ist, der mittlerweile auch schon seit über zehn Jahren um den Globus tourt. Auch da entstehen über die Jahre natürlich engere Verbindungen mit Menschen, die man auch persönlich sehr zu schätzen weiß.
HL: Wie betrachtest du die letzten beiden Alben „Barefoot To The Moon“ und „Live From The Dark Side“ im Vergleich?
Oliver Hartmann: „Barefoot To The Moon“ war für uns die Möglichkeit aus dem engen Korsett der Vorgabe des Originals ein Stück weit auszubrechen und musikalisch kreativ mit dem Songmaterial umzugehen, d.h. Songs einfach auch mal anders zu instrumentieren, Arrangements zu ändern, und vieles mehr. Weniger erwartbar als bei einer normalen Tribute-Show. Ich glaube, genau das hat unser Publikum bisher auch immer sehr begeistert. Im Vergleich dazu ist natürlich der aktuelle Release „Live From The Dark Side“ ganz anders, da wir hier uns weitestgehend und in großen Teilen musikalisch an das Original halten. Der besondere Reiz hierbei war aber, die Special Guests in diesen Abend mit einzubinden, von denen man auch keine 1:1-Version erwartet. Auch gar nicht will. Wir haben uns natürlich viele Gedanken gemacht, wer die passenden Gastmusiker für dieses Projekt sein könnten. Alle drei Sänger, also Midge Ure, Michael Sadler und auch Geoff Tate standen aber ganz oben auf meiner Liste und ich habe mich natürlich sehr gefreut, dass es geklappt hat. Auch Claude Leonetti von der französischen Progband Lazuli war ein wirkliches Highlight an diesem Abend. Die gesamte Band ist extra einen Tag früher aus Frankreich angereist, um den Auftritt zu ermöglichen. Wir sind auf jeden Fall mehr als zufrieden mit dem Ergebnis und alle Gastmusikerwaren von dem einmaligen Abend sehr positiv angetan. Wir freuen uns alle auf den Release und sind gespannt, wie die DVD bei den Fans ankommt!
HL: Wenn man das Streichquartett, die Keys oder Saxophon hört, hat man das Gefühl, dass alles perfekt reinpasst und alles sehr authentisch wirkt – Gänsehaut pur. Eine glanzvolle Atmosphäre, nicht wahr?
Oliver Hartmann: Auf jeden Fall. Speziell das Streichquartett, das ja auch auf der Akustiktour mit und unterwegs ist, fügt dem Ganzen auch in der elektrischen Variante noch einmal eine ganz besondere Farbe und Atmosphäre hinzu. Auch das Saxophon ist anders und öfter als im Original eingesetzt.
HL: Welchen Herausforderungen steht ihr den Pink Floyd-Songs gegenüber? Ist es einfach/schwierig, den Songs in ihrer Echtheit Atmosphäre zu schaffen? Ich meine, ich sehe euch als eine Band, die versucht, ein Original Pink Floyd-Konzert auf die Bühne zu bringen. Und nicht als eine Band, die nur vereinzelte Songs covert.
Oliver Hartmann: Es ist definitiv nicht so einfach dieselbe Atmosphäre mit einem dementsprechenden Vibe zu kreieren. Es hat für uns als Band schon einen Moment gedauert dorthin zu gelangen, da man in die Musik wirklich eintauchen muss, um sie auch zu verstehen. Dann ist es letztlich auch nicht so wichtig, ob jeder Ton exakt derselbe ist. Man muss den Inhalt und das Feeling der Musik verstehen und richtig transportieren können. Dann passt alles.
HL: Was verbindet dich persönlich mit Pink Floyd?
Oliver Hartmann: Ich habe die Band und vereinzelte Songs schon immer gemocht, teilweise in anderen Bands auch schon nachgespielt, aber habe mich erst als ich zu Echoes kam sehr intensiv mit dem gesamten Material und der Historie von Pink Floyd auseinandergesetzt. Dadurch bekommt man auch durchaus noch mal einen ganz anderen Zugang zur Musik an sich.
HL: Wie kam es denn dazu, dass Midge Ure (Ultravox), Michael Sadler (Saga) und Geoff Tate (Operation Mindcrime) als Gast zu hören/sehen ist? Gibt es eine besondere Beziehung zwischen euch? Welchen Einfluss haben sie auf die Musik von Pink Floyd?
Oliver Hartmann: Wie vorhin schon erwähnt waren die Gastauftritte eine Idee, um dem Konzert beim Rock Of Ages Festival im Juli einfach etwas ganz Besonderes zu verleihen. Durch meine Projekte in den letzten Jahren sind natürlich viele Kontakte entstanden und es hat mich daher sehr gefreut, dass Midge, Geoff und Michael relativ schnell zugesagt haben – sowie natürlich auch Claude Leonetti, den unser Schlagzeuger kontaktiert hat. Eigentlich hat jeden der Sänger die Musik von Pink Floyd in gewisser Weise beeinflusst. Geoff erklärt das ganz schön im Making Of der DVD. In der Songauswahl war jeder eigentlich frei, sich das rauszusuchen, was ihm am besten liegt. Geoff hatte „Welcome To The Machine“ schon einmal mit Queensryche gecovert, daher war das sehr naheliegend. Midge Ure hat sich „Hey You“ rausgesucht und Michael Sadler eben „Comfortably Numb“, was sein großer Wunsch war. Ich glaube auch, dass keiner seine Wahl besser hätte treffen können.
HL: Was ist es, dass Leute von der Erfahrung, Pink Floyd live zu sehen, mitnehmen sollen?
Oliver Hartmann: Am ehesten wahrscheinlich sich in dieser schnelllebigen Welt von Facebook, Youtube und Co. auf Musik mal richtig einen ganzen Abend einzulassen, also nicht gleich weiter zu klicken. Auch, dass ein Song durchaus mal zehn oder 15 Minuten dauern darf und dass er dadurch erst seine Wirkung bekommt. Live in Verbindung mit der Lightshow war Pink Floyd schon seit ihren frühesten Tagen vor allen schon immer ein Gesamtkunstwerk.
HL: Was liegt in der unmittelbaren Zukunft von Echoes?
Oliver Hartmann: Wir touren bis auf die Akustikshows im Prinzip über das ganze Jahr verteilt. Das wird auch weitergehen, während ich selbst mit Avantasia von April bis Juni auf Tour unterwegs bin, wo mich aber Dennis Hormes für einige Termine vertreten wird, der bekanntermaßen ein großartiger Gitarrist ist. Ab Ende Juni werde ich wieder am Start sein und ich freue mich auf ein paar schöne Konzerte und Festivals!

www.echoes.de
Text: Markus Seibel