Kärbholz: Birne einschalten und kritisch sein!

In der Nähe unserer ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn liegt das Örtchen Ruppichteroth, um die 10.000 Einwohner zählt die Gemeinde im Rhein-Sieg-Kreis rund 30 Kilometer östlich von Bonn im Süden Nordrhein-Westfalens. In Ruppichteroth lebt unter anderem der Musiker und Extremsportler (seit 2004), aus diesem Ort kommen zudem die Musiker der Band Kärbholz. Und eben diese Rockgruppe um Sänger Torben Höffgen und Gitarrist Adrian Kühn brachten Anfang März das neue Album „Herz & Verstand“ heraus, ein Album, welches sich auf Anhieb auf Platz 3 der deutschen Album Charts platzierte. Nur einen Monat später ist das Quartett (zu den beiden genannten gesellen sich noch Bassist Stefan Wirths und Schlagzeuger Henning Münch) auf großer Deutschland Tournee, über diese aber auch anderen Themen konnten wir kurz vor Beginn der Tournee mit Gitarrero Adrian Kühn sprechen …..

HL: Moin Adrian, danke dass du dir kurz Zeit für das Hardline Magazin genommen hast, Glückwunsch zum Album und zur erneut hohen Album-Chart-Platzierung! Erzähl doch mal ein wenig über das neue Album, die früheren Werke von euch sind ein wenig mehr in Richtung Country-Rock, zudem habt ihr bislang politische Texte gemieden, dieses ist beim aktuellen anders, so zumindest meine Sicht der Dinge ….

Adrian Kühn: Hi Alex, Danke für die Glückwünsche! Das mit dem Country-Style begann so ein wenig im Jahre 2011 mit dem Album „100%“. Nun ist seit dieser Zeit viel passiert, wir gaben und geben den Dingen die nötige Zeit, sich zu entwickeln. Das neue Album „Herz & Verstand“ knüpft– so denke zumindest ich – nahtlos beim Vorgänger „Überdosis Leben“ an. Sowohl was das textlich als auch was das musikalische angeht. Kärbholz muss und will nicht unbedingt politisch sein, waren wir allerdings bereits im Jahre 2011 mit „Timmi halt’s Maul“. Der Grund vor einigen Jahren war, dass ein alter Bekannter, den ich jahrelang nicht gesehen hatte, sich zu meinem Entsetzen in diesem rechten Flügel aufhielt. Bei „Falsche Alternativen“ vom neuen Album braucht man nicht wirklich viel, um den aktuellen Trend zu verfolgen, sowohl in Deutschland aber auch in Europa. Und hier sagen wir ganz klar „Nehmt nicht alles für bare Münze was man euch versucht, einzureden und denkt mal über die vermeidlich „einfachen Lösungen“ etwas genauer nach, bevor ihr allzu sorglos applaudiert, benutzt eure Birne und seit kritisch“.

HL: Eure Texte sind aus meiner Sicht eh sehr nah am Puls der Zeit, nichts Oberflächliches. Gab es signifikante Unterschiede zwischen den ersten Alben und dem jetzigen, gerade aus musikalischer Sicht?

Adrian Kühn: Es hat sich gewaltig was geändert, beim ersten Album konnten wir – mal etwas übertrieben gesagt – mal gerade die Instrumente richtig halten. Wir haben dieses Album „Speil des Lebens“ ja vor zwei Jahren noch einmal aufgenommen, die Aufnahme war ja damals unterirdisch, ein Wunder im nach herein, dass das überhaupt jeder gekauft hat. Nicht was die Songs angeht, die sind soweit in Ordnung, aber was die Aufnahme angeht – das war schon grausig, aus heutiger Sicht zumindest.

HL: Und heute?

Adrian Kühn: Seit 2011 haben wir die Songs wie folgt kreiert: Ich habe die Texte geschrieben und in einer Art Lagerfeuer-Version aufgenommen, danach zusammen weiterbearbeitet. Beim aktuellen Album „Herz & Verstand“ haben wir diese Vorgehensweise das erste Mal geändert: Wir haben unseren Proberaum umgebaut, inklusive Mischpult etc. pp. Ich habe die Songs geschrieben und alle Instrumente pro forma eingespielt und die Songs dann auch eingesungen. Ich versichere Dir, es hört sich komplett nicht nach Kärbholz an (lach). Aber wir hatten dann einen ersten Eindruck von den Songs und haben diese dann weiter ausgearbeitet. Textlich ist das neue Album autobiografisch, es sind sehr persönliche Elemente in den Songs enthalten, nah am Leben. Und dieses in einer – so glaube ich – verständlichen Sprache, ohne großen Schnick-Schnack, nicht mehr aber auch nicht weniger.

HL: Aufgenommen wurde das Album wieder in Hamburg, in den Chameleon Studios?
Adrian Kühn: Ja, wieder in Hamburg, wieder beim Eike Freese, allerdings ohne Alex Dietz von Heaven Shall Burn.
HL: Anderes Thema. Live: Wie geht ihr beim Zusammenstellen der Setlist vor und wer ist dafür zuständig?
Adrian Kühn: Wir sind da eine sehr demokratische Band, jeder füllt einen Zettel mit je knapp zehn Songs aus und packt ihn in die Mitte. Und dann wird ausgezählt und in Step 2 ausgewählt. Dazu nehmen wir die Setlisten der vergangenen Jahre noch einmal vor und gehen diese gemeinsam durch, welche Songs gut und welche sehr gut funktionierten
HL: Ist die Setlist in Stein gemeißelt oder ändert sich dieses im Laufe der Tour?
Adrian Kühn: Die ist eigentlich in Stein gemeißelt, wird nur geändert, wenn Songs nun überhaupt nicht funktionieren. Zudem ist unser Sänger Torben ein absolutes Gewohnheitstier, er benötigt in jedem Fall diese Art von Sicherheit, auch um sich den Abend stimmlich einteilen zu können, wir sind diesen Frühling über drei Wochen auf Tour, die Längste unserer Geschichte. Allerdings haben wir die Freiheiten, Dinge spontan am Abend zu ändern, ein großer Vorteil anderen Bands gegenüber da wir keine Ein -bzw. Zuspieler, keine Bänder im Hintergrund laufen haben, Intro und Outro mal ausgenommen (lach). Dieses spontane erfreut natürlich extrem unseren Licht-Manager, der regelmäßig von einer Ohnmacht in die andere rutscht (lach). Aber ich glaube, dass unsere Art der Live-Musik bei vielen Anhängern ankommt, dass bei uns halt mal der ein oder andere Fehler sich einschleicht und nicht mit Tricks kaschiert wird. Bei uns ist das Gitarren-Solo noch live und kommt nicht vom Band (lach)
HL: Gibt es eine Lieblings-Lokation?
Adrian Kühn: Festung Königsstein bei Dresden, sächsische Schweiz. Da gibt es einen Open Air Sommer, wo acht Wochen in Folge Künstler aller Art auftreten, nicht riesengroße (1000 Zuschauer vielleicht) aber traumhaft schön! Man fährt mit einem Fahrstuhl zirka 250 Meter hoch, stehst dann auf dieser Burgmauer und schaust 120 Kilometer entweder nach Sachsen in den Sonnenuntergang.
HL: Apropos traumhaft schön, was gefällt dir an Hamburg?
Adrian Kühn: Hamburg ist definitiv meine Lieblingsstadt – und das als Nicht-Stadtkind. Ich habe während der Produktionsphase da für sechs Wochen eine Wohnung gemietet, hab Hamburg also nicht nur als Tourist kennenlernen dürfen. Als Band haben wir – natürlich – schon diverse Abstürze gehabt, einem Kollegen wurde mal dreist das Geld abgenommen, sodass dieser nicht mehr alleine auf die Straße darf (lach).
HL: Das kann – leider – auf dem Kiez vorkommen, der Gegend, wo ihr am 19.April euer Konzert absolvieren werdet. Zu diesem Gig – welcher fast ausverkauft ist – wünschen wir euch in jedem Fall viel Spaß, für das Album weiterhin viel Erfolg, Danke, dass du dir Zeit für unsere Leser genommen hast!
Adrian Kühn: Ich bzw. wir danken euch für euren Support, kommt alle in die Grosse Freiheit, wir werden Vollgas geben!