Interview mit Scanner

Hallo Matthias, ich bin der Axel, Gitarrist, Gründungsmitglied und Produzent von SCANNER. Ich beantworte deine Fragen gerne. Vielen Dank für das Interview. Gruß, Axel

HL: Bereits 1985 kamen von euch die ersten Töne, Lions Breed war der Vorgänger von Scanner. Stell die Band trotzdem unseren Lesern einmal vor…

Axel Julius: SCANNER kommen aus Gelsenkirchen, wir machen Power Speed Metal. Wir feiern dieses Jahr unser 30-jähriges. 1987 lieferten wir mit „Galactos“ unseren Debutsong als Opener“ zu dem legendären „Doomsday News“ -Sampler von Noise Records (Berlin), auf dem u.a. auch unsere damaligen Labelkollegen KREATOR, RAGE und HELLOWEEN vertreten waren. Wir haben seinerzeit unser Science Fiction- Image in den bis dato eher martialisch angehauchten HEAVY METAL eingebracht, und dann mit unserem 1. Album „Hypertrace“ im Jahr 1988 unser Gesamtkonzept vorgestellt. Wenn es sowas wie SPACE- Metal oder SF-Metal gibt, dann sind wir sicherlich Vorreiter.

Es folgten über die Jahre unsere Alben „Terminal Earth“ (Noise Rec.), „Mental Reservation“ (Massacre Rec.), „Ball oft he Damned“ (Massacre Rec.), „Scantropolis“ (Massacre Rec.), „The Judgement“ (Massacre Rec.) und nun unser 7. Album „The Galactos Tapes“ (Massacre Rec.), das unser BEST OF Album ist. Wobei unser Debutsong „Galactos“ aus 1987 hier Namensgeber und erneuter Opener ist und sich somit ein Kreis schließt.

HL: Im Laufe der Zeit gab es viele Veränderungen in der Besetzung. Wird das aktuelle Line-Up Bestand haben?

AJ: Ja, das waren einige Besetzungsänderungen, die aber die 30 Jahre und das Leben so mit sich bringen. Überwiegend dann, wenn sich z.B. die Lebenssituation bei einem Bandmitglied geändert hatte, wo eine Band auch schnell mal zur Belastung wird, den Job stört, nicht mehr ins Lebenskonzept einer Familie passt etc… oder wegen Krankheit oder schlicht anderen musikalischen Vorstellungen. Echter Streit war hingegen wirklich äußerst selten der Grund, das lässt sich an den Fingern einer halben Hand abzählen.

Der größte Teil der Jungs geht das ja als Hobby an. Man kann dann auch niemanden zu seinem Hobby zwingen und leider ist die Konzeption in Deutschland so, dass es Berufs- und Rockmusiker sehr schwer haben und man nicht von seiner Musik allein leben kann. Auch deshalb wird es immer Bands geben, die das vielleicht 5- 6 Jahre versuchen und dann aber aufgeben müssen oder den Spaß verlieren. Das ist hier leider so.

Wir haben zumindest nie aufgegeben. Bei uns ist der Bandstamm mit Efthi (voc), Andreas (git) und mir seit über 10 Jahren stabil. Unser aktueller Drummer, Hanno, ist auch Profi-Drummer und lebt von der Musik, weshalb er bereits in mehreren Bands unterwegs ist. Das geht fast nicht mehr anders, wenn man davon leben will, birgt aber auch Konfliktpotential, wenn es zu Bookingüberschneidungen mit den involvierten Bands kommt. Unseren Bassisten, William, hat es letztens aus beruflichen Gründen nach HH verschlagen, weshalb sich bei uns gerade unser neuer Bassist, Jörn, einarbeitet. That‘s life.

HL: Ihr wurdet damals von diversen Bands und der Entwicklung im Musikbiz an die Wand gedrückt, wart kaum noch präsent. Wie habt ihr diese Zeit erlebt? Ehrlich gesagt ist mir der Ausdruck „an die Wand gedrückt“ jetzt nicht so geläufig, hört sich für mich aber ziemlich brutal an. Naja, also, ich fühlte mich bislang von keiner anderen Band an die Wand gedrückt oder so, aber sicherlich schaue ich auch, wo beispielsweise Mille mit Kreator, P.W. mit Rage oder Blind Guardian heute stehen und kann da nur staunen, wie es bei uns auch hätte anders laufen können, wenn nicht sogar hätte laufen müssen.

Unter der negativen Entwicklung im Music-Biz hat sicher nicht zuletzt auch unser langjähriges Label Massacre Records zu leiden gehabt und somit eben auch wir.

Zudem waren wir aber auch nie aus der Welt, es gab halt nur Zeiten ohne Release, wo wir aber auch europaweit und bis nach Moskau unsere Gigs gespielt haben und unseren Spaß hatten. Dabei haben wir uns aber, ehrlich gesagt, auch nicht um eine Medienpräsenz gekümmert.

Seit dem letzten Album „The Judgement“ von 2015 hat sich das ja jetzt bei uns wieder geändert. Mittlerweile wird unser Name häufiger schon fast reumütig mit „underrated band“ versehen, was uns zeigt, dass sich was tut. Jetzt muss unser Label auch noch Gas geben und alles wird gut. Wir haben es ja eigentlich auch sogar schon bis nach Chicago, USA, geschafft, wo wir voriges Jahr zusammen mit den Amerikanern JAG PANZER ein Festival headlinen sollten. Das ist ja leider nur an einem verweigerten Arbeits-Visum gescheitert.

HL: Wie habt ihr die vielen Jahre verbracht, es ließ sich ja sicherlich nicht von der Musik leben; wie habt ihr Geld verdient?

AJ: Wie schon gesagt, hatte oder hat eigentlich fast jeder bei uns ja noch einen anderen Job mit dem er seinen Lebensunterhalt sichern kann oder ist Student. Das ist und war ja allein auch wegen Krankenversicherung etc. schon angezeigt.

HL: Nun steht das 30. Jubiläum aus, wie fühlt sich das an, wenn man zurückdenkt?

AJ: Naja, 30 Jahre, das klingt schon nach viel. Aber, bedeutet noch lange nicht „alt“! Macht einen aber auch irgendwie stolz, es soweit geschafft zu haben. Zumal es bei uns ja auch nie eine Bandauflösung mit anschließender Re-Union oder sowas gab. Ich persönlich bewundere ja alle Bands immer, die so lange in Beinah-  Urbesetzung Bestand haben, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie schwer es ist, so einen Laden zusammen zu halten.

HL: Welche Epoche aus den letzten 30 Jahren blieb am meisten im Gedächtnis? Naja, das waren für uns definitiv die 90er. Angefangen mit unserem Videodreh zu „Buy or Die“ in Ostberlin direkt wenige Monate nach dem Mauerfall. Das war praktisch noch DDR pur und für uns schon sehr skurril, dort als „die vom fremden Stern“ angesehen zu werden. Unser Video drehten praktisch die Leute vom ehemaligen DDR-Staatsfernsehen mit ihren ollen Fernsehkameras. 1997 waren wir dann nach zwei Alben bei Massacre Records in den Vorjahren auf  zwei Tourneen in Europa unterwegs und haben schließlich zum ersten Mal das WACKEN OPEN AIR gespielt. Von daher bleiben die 90er schon in prägender Erinnerung.

HL: Scanner stand für eine Konzeptband, die eine fortlaufende Science-Fiction-Story erzählt. Ist das heute noch so?

AJ: Ja, das haben wir eigentlich beibehalten. Ich meine wir haben das zwar nicht immer voll durchgezogen aber letztendlich kommen wir immer wieder darauf zurück. Es ist praktisch ein Teil unserer Band- Seele. Deshalb stehen auch die Illustrationen bei unserem BEST OF wieder ganz im Zeichen von SF und dem SCANNER auf seinem Basis-Planeten „Galactos“.

HL: Haltet ihr ein Konzept über Science-Fiction für zeitgemäß in der heutigen Zeit?

AJ: Naja,…zeitgemäß ist SF doch eigentlich nie, sonst wäre es ja irgendwie nicht SF…wobei SF von gestern ja das Heute sein kann und SF von heute doch eher das Morgen beschreibt…Ich finde unser SF Konzept insofern klasse, da es uns erlaubt, alle Themen unserer Zeit in andere Sphären zu transponieren und in unseren Texten zu verarbeiten. Dabei ergibt sich so ein völlig anderer, losgelöster Blickwinkel auf die Dinge hier, wenn man die Erde und all die Probleme auf ihr von einer anderen Galaxy aus betrachtet.

HL: Zum Jubiläum erscheint ein Doppel-Album. Wurden für dieses Album Songs neu aufgenommen?

AJ: Ja, wir wollten ein besonderes BEST OF Album machen. und haben zusätzlich zu dem normalen BEST OF von 15 Songs auf CD1 zehn unserer Klassiker neu aufgenommen, die auf CD2 zu finden sind. Damit präsentieren wir, wie die Songs heutzutage mit Efthi klingen, der die ja auf den älteren Alben noch nicht gesungen hatte. Bei den Re-Recordings haben uns auch Fans und Sänger aus aller Welt unterstütz, die beispielsweise ihre Soundfiles zu unseren Tracks erstellt haben und jetzt u.a. als großartiger Chor in einigen Refrains zu hören sind.

HL: Wie wurden die Songs für das Album ausgewählt, nach welchen Kriterien wurde entschieden?

AJ: Wir haben vor ca. einem Jahr über unsere Social Media Seiten eine Kampagne gestartet, bei der uns die Fans Vorschläge für die BEST OF- Songauswahl machen konnten. Das haben wir dann zusammen mit unseren eigenen Favs ausgewertet, was zu dieser Auswahl führte.

HL: Gibt es unter den Songs, bzw. Alben so etwas wie ‚All Time Favorites‘?

AJ: Klar, Songs wie  „WARP 7“, „Puppet on a String“  Across The Universe”, “Buy or Die”, „ F.T. B.“ gehen immer gut ab, um nur einige zu nennen. Und unter den Alben ist „BALL OF THE DAMNED“ das meistverkaufte und „Hypertrace“ das bekannteste und hat schon KULTSTATUS.

HL: Scanner zeigt sich im September und im Januar zweimal Bühnenpräsent. Wird daraus noch mehr gemacht, wird es eine Tour geben?

AJ: Ja, da wird nächstes Jahr auf jeden Fall noch eine Tour folgen. Und wir werden auch Festivals spielen.

HL: Was haben eure Fans live von euch zu erwarten?

AJ: Das volle Programm. Wir geben immer alles und haben genau so viel Spaß dabei, wie die Fans, die auch immer ordentlich Gas geben.

HL: Wie haben sich eure Fans verändert, viele sind bestimmt mit euch gealtert, aber gibt es unter den Fans jungen Nachwuchs?

AJ: Mittlerweile gibt es so einen Wendepunkt, die älteren gehen nicht mehr soooo oft vor die Tür und das Metal Publikum wird wieder etwas jünger. Was bedeutet, dass erstaunlich viel junger Nachwuchs da ist, der sich bei Ansagen unseres Sängers dann allerdings auch mal fragt, warum er die älteren Alben der Band noch nicht kennt.

HL: Wie wird die Zukunft aussehen? Habt ihr ein neues Studioalbum geplant?

AJ: Ja, wir arbeiten bereits am Nachfolger von “The Judgement“ (2015) und komponieren schon fleißig und sind teilweise schon bei der Vorproduktion zu THE COSMIC RACE. Also, immer schön „ufpasse“, da kommt noch einiges von uns (lacht).

Text: Matthias Kühlmann