Interview mit Europe: Back to the roots … with full Power !!!

Back to the roots … with full Power !!!

Europe2015

Text: Alexander Stock

Aktuell sind sie wieder auf Tournee und groß im Geschäft, die Gruppe Europe. Angesprochen auf die schwedischen Superstars – die seit 2004 wieder in Originalbesetzung mit Joey Tempest (Mikrofon), John Norum (Gitarre), John Levén (Bass), Mic Michaeli (Keyboards) und Ian Haugland am Schlagzeug spielen – denkt jeder sofort an den Klassiker „The Final Countdown“. Dass die fünf Schweden aber weit mehr als dieser eine Song sind, zeigen sie eindrucksvoll auf ihrem neuen Album „War Of Kings“, welches den dritthöchsten Einstieg der Gruppe in den deutschen Album-Charts verzeichnen konnte. Sänger Joey Tempest höchstpersönlich stellte sich unseren Fragen und antwortete ehrlich und informativ …

Hardline: Zuerst einmal vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für unsere Fragen nehmt!

Joey Tempest : Hallo an Hardline und alle Leser, sehr gerne!!!

Hardline: Ihr habt mit „The Final Countdown“ einen Song für die Ewigkeit erschaffen, mit dem dazugehörigen Album einen Millionen-Seller heraus gebracht. Vorher war euer Musikstil noch etwas anders, weniger kommerziell. Wer war damals für den musikalischen Wandel verantwortlich?

JT: Das war im Prinzip nichts außergewöhnliches, eine ganz normale musikalische Reise wie es viel Gruppen vor und nach uns ebenfalls gemacht haben. Wir begannen in jungen Jahren unsere Instrumente zu lernen, spielten kleine Gigs in heimatlichen Clubs und hörten Hard Rock Musik aus England. Nach unseren ersten beiden Alben, die beide ein wenig mehr progressiv angehaucht waren, sind eine neue Genration von Synthesizer aus Japan und Amerika auf den Markt gekommen. Genau wie damals Eddi Van Halen, der damals mit seinem Oberheim experimentierte und „Jump“ herausgebracht hatte, interessierte ich mich für den Synthesizer der Firma Korg und schrieb den Riff für den Song „The Final Countdown“. Das Album („The Final Countdown“) wurde dann zusätzlich für den amerikanischen Markt Radio-kompatibel gemixt, so ist dann auch der Unterschied zu dem Vorgänger „Wings Of Tomorrow“ zu erklären …

HL: Der Nachfolger „Out Of This World“ war von den Verkaufszahlen schwächer, trotz hoher Chart-Positionen weltweit ist Kritik aufgekommen. Wie seid ihr damals damit umgegangen, habt ihr das überhaupt mitbekommen?

JT: Wenn wir Alben aufnehmen denken wir nicht an solche Dinge. Jedes Album ist ein Unikat, im Prinzip nie vergleichbar zu den Vorgängern. Bei jedem Album geben wir unser bestes, es ist zudem auch nicht wirklich von Vorteil, an Absatzzahlen und so weiter zu denken, es hemmt dich in deiner Kreativität als Künstler.

HL: Was waren die Gründe für eure Trennung 1992, wart ihr ausgebrannt?

JT: Zu diesem Zeitpunkt hatten wir 10 Jahre kreatives Arbeiten und einige Welt-Tourneen in den Knochen und brauchten eine Auszeit. OK – die ist im nach herein ein wenig lang geraten, aber sie war wirklich wichtig! In dieser Zeit lernten wir viel über die Musik in den verschiedensten Dimensionen und sind mit neuer Energie zurückgekommen.

HL: Wer war die treibende Kraft für eure Wiedervereinigung im Jahre 2004 und wer legte den neuen „alten“ Stil fest ?

JT: Wir alle wussten bereits 1992, dass der Tag X kommen wird, wenn wir wieder zusammen Musik machen. Als wir uns dann nach 8 Jahren zum ersten Mal wieder getroffen hatten, war – gerade bei den Proben – da diese erstaunliche Energie vorhanden. Danach gab es dann kein zurück mehr, wir wussten, was wir zu tun haben und mit wem wir dieses umsetzten werden …
HL: Wie ist das Gefühl, wenn man sieht, wie das „2. Leben“ immer erfolgreicher wird? Aus deutscher Sicht sind die Alben von euch folgendermaßen in die Album-Charts eingestiegen : „Last Look At Eden“ auf 31 (2009), „Boag Of Bones auf 26 (2012) und das neue Album „War Of Kings“ auf Platz 23, und das, obwohl ihr keinen Chart-orientierten Rock spielt wie damals 1986 …

JT: Es ist in der Tat ein tolles Gefühl, das wir mit aller Bescheidenheit genießen. Es war seit 2004 ein langer Weg, den wir langsam und nach unseren Vorstellungen gegangen sind. Wir haben uns Zeit gelassen, damit sich die Dinge so entwickeln, wie wir es uns vorgestellt haben, ohne Druck von Außen aufkommen zu lassen. 5 Alben, 2-3 Live-DVDs und eine Menge Shows später haben wir wieder eine richtig solide Beziehungen zu unseren Fans und zu den Medien.

HL: Dazu dann gleich noch die Frage hinterher: Schaut ihr eigentlich noch auf die Charts ?

JT: Wenn man ein neues Album veröffentlicht, ist man immer stolz auf das Erschaffene und freut sich, wenn die Fans es sich anhören. Die Plattenfirmen geben einem dann auch die Informationen über Charts. Klar ist es super, wenn den Fans das Album gefällt und es entsprechend oft gekauft wird, das wichtigste aber ist, das man selber stolz und zufrieden ist und das Album in die Richtung geht, wo man es haben möchte. Die neuen Stücke dann auf der Tour live zu spielen ist immer wieder klasse und aufregend, wie kommen die Songs beim Publikum an, wie reagieren die Fans …

HL: Euer neues Album hört sich (bis auf wenige Ausnahmen wie „War Of Kings“, „Days Of Rock’N’Roll“ und „Second Day“) sehr nach Siebziger Rock an. Gewollt? Bleibt dieser Stil oder ändert ihr diesen von Album zu Album?

JT: Jedes Album hat – hoffentlich – seine eigene Stimmung und Atmosphäre. Es gibt bei uns keinen Master-Plan, das Album wächst nach und nach, bei einigen Songs geht man ungewöhnliche Wege, um andere musikalische Ausdrücke zu finden. Die Musik welche du im Alter zwischen 15 und 25 aufnimmst, bleibt für immer im Kopf! Wenn man die Songs in den Jahren danach hört, ist die Zeit automatisch wieder präsent und man verbindet damit viele Dinge aus diesen Tagen. Wenn wir ein Album aufnehmen kommen auch bei uns Erinnerungen an diese – eigenen – Zeiten auf und fließen in die Songs mit ein. Dagegen wehren ist im Prinzip zwecklos, das passiert einfach.

HL: Letztes Thema Live-Auftritte: Was dürfen die Fans von eurer neuen Show erwarten, unter anderem spielt ihr ja am 28.10.2015 in der altehrwürdigen Hamburger Markthalle?! Steht die Setlist schon und verändert ihr diese von Ort zu Ort?

JT: Die Fans können sich auf diverse Songs aus dem neuen Album freuen, die wir zusammen mit Songs aus der Dekade ab 2004 – wie unsere Favoriten „Last Look At Eden“ oder „Firebox“ – und natürlich unseren Klassikern spielen werden. Es wird also ein großer Mix auf die Zuschauer zukommen, was jede Menge Spaß garantiert!

HL: Vielen Dank für die investierte Zeit! Für die Fans in ganz Deutschland hier kurz die anderen Daten eurer Tour : 25.10.2015 Frankfurt, Batschkapp / 26.10.2015 München, Circus Krone / 29.10.2015 Oberhausen, Turbinenhalle II / 30.10.2015 Stuttgart, LKA Longhorn und am 02.11.2015 Berlin, Postbahnhof. …. die berühmten letzten Worte sind eure …

JT: Vielen Dank an unsere treuen Fans, die die letzten Jahrzehnte zu uns gehalten und uns unterstützt haben, wir hoffen, dass Euch das neue Album „War Of Kings“ gefällt und wir uns dann bei den Konzerten sehen…

http://www.europetheband.com