Tanzwut Interview

Tanzwut
Text: Matthias Kühlmann

„Schreib Es Mit Blut“ – so der Titel des neuen Tanzwut-Albums. Ein sehr spannendes und hochinteressantes Werk, zudem ich mal den Teufel mit einer Anzahl Fragen bombardiert, die er bereitwillig beantwortete:

Hardline: Erst einmal Glückwunsch zum neuen Album, ein wirklich gelungenes und abwechslungsreiches Werk! Wie ist die Stimmung in der Band momentan?

Teufel: Danke für die Glückwünsche. Im Moment herrscht bei uns gute Laune. Wir sind viel unterwegs, um live zu spielen, und natürlich die Vorfreude auf die CD-Veröffentlichung. Wir haben in den letzten Monaten viel Zeit miteinander verbracht, um14 grandiose Songs zu schreiben und aufzunehmen. Das hat uns alle noch ein Stück weiter zusammen gebracht.

HL: Wie lange hat die Phase des Songwritings gedauert und wieviel Zeit habt ihr im Studio verbracht, bis alles fertig war?

T: Das Schreiben von Text und Musik dauert meist länger als die Aufnahmen selbst. Die Vorproduktion hat etwa vier Monate gedauert. Das Einspielen der Songs dann nur ungefähr sechs Wochen. Letzteres lässt sich aber auch nur realisieren, wenn alle gut vorbereitet sind und man konzentriert zusammen arbeiten kann.

HL: Der Titel des neuen Werkes, „Schreib Es Mit Blut“, hat etwas mit Faust zu tun. Welche Bewandtnis versteckt sich dahinter?

T: Wer Goethes Faust kennt, weiß, dass es dort um den Pakt mit dem Teufel geht, genau genommen um die Versuchung. Und dieser Pakt wird traditionell mit Blut unterschrieben. In unserem Song wird dieser Text aufgegriffen und in unsere Zeit projiziert. Wer schließt den Pakt? Wer hat ihn bereits geschlossen? Vielleicht ist die heutige Welt ja schon längst der Pakt mit dem Teufel?

HL: Ich habe gelesen, dass Tanzwut ein neues Kapitel der Bandgeschichte eröffnen, wie darf man das verstehen?

T: Jedes neue Werk ist ein neues Kapitel. Man schreibt damit die Geschichte der Band weiter. Die Zeit schreitet voran und wir und unsere Musik unterliegen jederzeit einem Wandel. Und wir sind der Meinung, dass wir etwas Großartiges geschaffen haben und sind stolz auf das neue Album.

HL: Das neue Werk ist als Album mit vielen Songs zu verstehen, die für sich selbst stehen können, allerdings ist auch von einem roten Faden die Rede, also doch mehr ein Konzeptalbum – wenn ja, wie sieht dieses Konzept aus?

T: Die Frage nach einem Konzeptalbum kommt immer wieder. „Schreib Es Mit Blut“ ist, wie auch die Vorgänger-Rock-Alben kein Konzeptalbum. Bei den Rocksongs steht jeder Song für sich. Jedoch webt man unterbewusst auch immer am Gesamtkonzept, so dass es am Ende relativ einfach ist, einen roten Faden durch das Album zu ziehen, d.h. eine Reihenfolge der Songs untereinander festzulegen. Das einzige Konzeptalbum, welches wir bisher hatten, war die Mittelalter-Akustik-CD „Eselsmesse“. Da ging es wirklich durchweg um dieses Thema.

HL: Wer hatte das glückliche Händchen mit dem Songwriting, wer fühlt sich bei den neuen Songs für Texte, Kompositionen und Konzept verantwortlich?

T: Involviert ist die gesamte Band, d.h. jeder kann sich bei den Ideen einbringen oder gibt seine Meinung ab. Wobei die Texte und die Melodien dann final von mir und einem Freund geschrieben und produziert werden.

HL: „Stille Wasser“ ist eine Ballade mit extrem viel Kraft. Wie seid ihr auf die Gastsängerin Liv Kristine gekommen, wie verlief die Zusammenarbeit mit ihr?

T: Wir sind sehr glücklich, dass Liv Zeit und Lust hatte gemeinsam mit mir diesen Song zu singen. Wir sind uns schon des Öfteren vorher begegnet, kannten uns aber nicht wirklich persönlich. Durch unser gemeinsames Label kam jetzt dann der Kontakt zustande. Nach den Gesangsaufnahmen fand im Mai auch ein gemeinsamer Videodreh statt, welcher uns beiden sehr viel Spaß gemacht hat. Am zehnten Juni findet die Videopremiere zu dem Song statt.

HL: Beim Hören der Songs assoziiere ich einige Vergleiche mit anderen Bands, Namen wie Rammstein oder Unheilig kommen mir in den Kopf. Wie steht ihr zu derartigen Vergleichen, mögt ihr es, wenn ihr verglichen werdet?

T: Man möchte nicht immer verglichen werden, wobei man einen Vergleich auch als positives Zeichen werten kann. Jeder Komponist wird inspiriert, denn das Rad lässt sich nicht neu erfinden. Auch Rammstein wurde inspiriert, u.a. von Laibach oder Krupps, und mittlerweile gibt’s hunderte von Rammstein-ähnlichen Bands, so genannte NDH-Bands. Und Tanzwut werden oft verglichen, um für uns eine Sparte zu finden, in die man uns stecken kann. Manchmal laufen wir unter Mittelalter Rock, manchmal unter NDH, auch Metal haben wir schon gehört oder Industrial Rock, und, und, und…

HL: Der Anspruch eurer Songs ist unüberhörbar. Im Info taucht die Bezeichnung ‚Partyhymne‘ auf. Sehr ihr eure Musik als Partymusik, zu der auch abgetanzt werden darf?

T: Wie unser Bandname schon vermuten lässt, darf man sehr gerne zu unserer Musik abtanzen. Man darf auf unseren Konzerten übrigens alles was Spaß macht: Tanzen, sich die Kleider vom Leib reißen, sich gehen lassen…

HL: Zu „Reiter Ohne Kopf“ ist ein Comic geplant, wie darf man das verstehen und auf welche Art soll es den Fans zugängig gemacht werden? Was ist das Besondere an dem Song?

T: Der Comic ist mittlerweile fertig und wird ein Bestandteil der limitierten Box sein. Dieser Song bot sich für einen Comic an, da eigentlich jeder zu dem Thema Bilder im Kopf hat. Jeder kennt die Sage, da sie deutschlandweit in verschiedenen Facetten existiert. Sei es als „Reiter ohne Kopf“, „Schimmelreiter“ oder „Kopfloser Junker“. Und auch in Hollywood zog die Geschichte schon ein, wenn man u. a. an Sleepy Hollow denkt. Mir hat mein Großvater oft diese Geschichte erzählt und so ist sie mir bis heute im Gedächtnis geblieben. Im Zuge der Vorproduktion hatte ich mich vergangenes Jahr öfters mit dem Zeichner getroffen. Bei den Treffen kam uns die Idee für den Tanzwut-Comic und er setzte die Bilder dann um. Uns gefiel die Idee, diesen Comic in der limitierten Box dann den Fans zugänglich zu machen.

HL: „Chaos“ ist irgendwie anders, ein Song, der hervorsticht. Welche Story verbirgt sich dahinter?

T: Stell dir vor du wachst morgens auf und alles ist irgendwie anders. Deine gewohnte Welt hat sich ins Gegenteil gekehrt und alles was du glaubst zu wissen ist nichtig. Deine heile, schöne Welt gibt es nicht mehr. Was dann?

HL: Wie ernst darf man „Hahnenkampf“ nehmen, der Refrain ist ja eindeutig einer alten Volksweise entnommen…

T: Wie ernst man den „Hahnenkampf“ nimmt, bleibt jedem Mann selbst überlassen. Wie verbittert kämpft man als Hahn, wenn man denn einer ist, um ein Weibchen zu erobern? Nicht jeder Mann ist ein Hahn, aber es gibt immer wieder welche in freier Wildbahn zu beobachten. Der Refrain ist eine französische Volksweise und passte einfach zu gut zum Thema. Da kamen wir nicht drum herum, diese einzubauen.

HL: Wie ist die Idee zu „An Den Klippen“ entstanden? Dieser Song ist unglaublich, da er allein durch die Mischung aus irischen Klängen und den Mittelalter-Flair schon hervorsticht und mich der Text irgendwie ein Stück aus dem Alltag gerissen hat…

T: Es ist eine Geschichte vom verlorenen Glück, welches nie mehr zurückkehrt. Nur in der Erinnerung bleibt es erhalten und füllt das Herz mit Sehnsucht.

HL: Mir fällt auf, dass die Dudelsäcke nicht in jedem Stück so prägnant herausstechen. In welchem Verhältnis stehen die Säcke zu den Gitarren wenn ihr Songs schreibt und welchen Stellenwert haben sie generell?

T: Dudelsäcke haben bei uns als Markenzeichen einen hohen Stellenwert und sind in unseren Stücken immer vorhanden. Jedoch setzen wir sie musikalisch bewusst ein. Es gibt Songs in denen sie vorrangig im Refrain eingebettet stattfinden, aber auch als Melodieinstrument stehen sie immer weit vorn im Mix.

HL: Der Gesamteindruck des Albums ist zum einen sehr positiv und zum anderen fällt auf, dass extrem auf Abwechslung geachtet wurde, wie seht ihr das?

T: Wir, als Spielleute, achten immer darauf unseren Fans Kurzweil zu verschaffen, Unterhaltung auf unsere Art. Wir lieben es die verschiedenen Facetten dann auch live auf die Bühne zu bringen, um dann auch live ein abwechslungsreiches Programm zu bieten.

HL: Was kannst du zu „Bruder Leichtsinn“ erzählen?

T: „Bruder Leichtsinn“ ist der, der dich zu Torheiten aller Art verführt. Zu Dingen, die ein vernünftiger Mensch nie tun würde. Dieser Unhold steckt selbst kleine Kinder an, Gefährliches zu tun.

HL: Wenn ihr mit einer Produktion fertig seid, habt ihr die Songs alle gleich lieb, oder gibt es von den neuen Songs eine Art Favoriten?

T: Ich finde alle Songs geil, denn sonst würde ich sie nicht veröffentlichen. Mit Abstand zur Produktion und im Laufe der Jahre, in denen man sie auch live spielt, bilden sich dann Favoriten heraus. Diese können bei jedem aus der Band anders aussehen, aber es gibt meist auch deckungsgleiche Lieblingssongs.

HL: Welche Songs stehen überhaupt aus dem Repertoire für euch an der Beliebtheit-Spitze?

T: Ach, da gibt’s so viele. Gerne live spiele ich „Meer“, „Brüder Im Geiste“, „Freitag Der 13.“, „Gerücht“, „Ruhe Vor Dem Sturm“, „Wie Phönix Aus Der Asche“, …und garantiert gehören bald auch „Schreib Es Mit Blut“, „Chaos“, „Geteert Und Federt“, „Stille Wasser“ und noch einige andere dazu.

HL: Gibt es bereits Reaktionen auf das Album?

T: Die Fans kennen ja bisher nur „Schreib es mit Blut“ und dieser Song kam sehr gut an. Jetzt warten alle auf den zweiten Song „Stille Wasser“ mit Liv Kristine und auf das dazugehörige Video. Die Leute aus dem näheren Umkreis, die schon mehr hören durften, waren durchweg begeistert. Wir sind auch schon sehr gespannt auf die Veröffentlichung am 8. Juli und die Reaktionen der Fans.

HL: Ihr existiert bereits stolze 16 Jahre – nun geht ihm im Herbst auf Tour. Was haben wir da zu erwarten?

T: Die Tour im Herbst wird die Tour zur CD sein. Bedeutet: Wir werden eine Menge neue Songs spielen und uns auch für die Show einiges einfallen lassen. Erst einmal feiern wir dieses Jahr auf dem Rockharz Festival unsere Veröffentlichung. Die CD gibt’s ab 8. Juli und unser Auftritt wird am 9. Juli sein. Mit Pyroshow und anderen Überraschungen und einem Gastauftritt von Liv Kristine. Dabei sein lohnt sich!

HL: Wie sieht die Planung für die Zukunft aus?
T: Wir sprudeln immer noch über vor Ideen. Da wird es noch einiges zu Sehen und Hören geben. In diesem Jahr ist es erst einmal unser mittelalterliches Marionettentheater, mit welchem wir zu Pfingsten Premiere feierten. Aber auch neue Rocksongs spuken schon wieder in unseren Köpfen herum, außerdem spielen wir live auf verschiedenen Festivals und Mittelalterfesten.

An dieser Stelle erst einmal herzlichen Dank an Teufel, der sich bei der Beantwortung des Interviews sehr viel Mühe gab. Da das komplette Interview nicht auf eine Seite passt, könnt ihr es in ungekürzter Form ab Mitte Juli 2016 auf unserer Homepage lesen.