Batalion d’Amour – Interview

Zeitstrahl zwischen Vergangenheit und Gegenwart 

Elf Jahre nach ihrem letzten Album veröffentlicht die polnische Band Batalion d’Amour mit „Fenix“ ein brandneues Album. Sängerin Karolina Andrzejewska stand unserem Magazin freundlicherweise für ein Interview zur Verfügung.

Text: Brigitta Lange

Hardline: Möglicherweise kennen einige unserer Leser eure Band gar nicht so gut. Möchtest du uns mal die Band vorstellen?

Karolina Andrzejewska: Batalion d’Amour (kurz: BDA) ist eine polnische Rockband, die 1989 in Skoczów (Südpolen) gegründet wurde. Die Band besteht gegenwärtig aus 5 Mitgliedern: mir (Karolina Andrzejewska), Piotr Grzesik, Robert Kolud, Mariusz „Pajdo” Pająk und Mirosław Zając. Ich bin seit 2001 die Lead-Sängerin und schreibe die Texte und die Musik. Bassist und Sänger Piotr hat die Band ins Leben gerufen, Robert ist unser Gitarrist, Mariusz unser Drummer und Mirek unser Keyboarder. Von Beginn an haben sich BDA von Gothic Rock und Dark Wave inspirieren lassen, was sich in unserer Musik widerspiegelt. Dennoch haben wir uns nie auf eine bestimmte Musikrichtung festgelegt. Es gab immer eine Mischung aus unseren Inspirationen, eine Fusion verschiedener Stilelemente inkl. Rock-Metal, Art Rock, Gothic Rock, Synth Rock und anderer alternativer Stile. Batalion d’Amour haben 5 Studioalbumen herausgebracht: „Labirynt Zdarzeń“ (Morbid Noizz, 1998), „Dotyk Iluzji“ (Metal Mind Records, 1999), „55 Minutes of Love“ (Metal Mind Productions, 2000), „W Teatrze Snów“ (Metal Mind Productions, 2001) und „Niya“ (Metal Mind Productions, 2005), welches mit mir als neuer Sängerin und Text- und Melodieschreiberin aufgenommen wurde. Das Album „Niya” ist von den Fans positiv wahrgenommen worden, hatte gute Kritiken in den Musikmagazinen und eine erfolgreiche Pressetour. Für mich war es eine unvergessliche Zeit. Unsere Band hatte in den vergangenen Jahren viele Konzerte in Polen und im Ausland. Wir waren häufig beim Castle Party Festival zu Gast, wo wir zusammen mit international bekannten Künstlern wie The Birthday Massacre und Riverside aufgetreten sind. Wir waren auch beim Hunterfest Festival, wo wir mit Bands wie Amorphis, Decapitated und Fear Factory gespielt haben. In den letzten beiden Jahren haben wir dann unsere Arbeit an unserem 6. Album „Fenix” intensiviert, das am 04. November 2016 über das Label Echozone rauskommt. Das ist dann das 2. Album, bei dem ich als Sängerin mitwirke. Das Album wird weltweit vertrieben und in Europa promotet. Das ist für unsere Band ein internationales Debüt. In Polen wird „Fenix” über Sonic Records vertrieben – die auch als Einzige in Polen der Distributor für Adele sind.

HL: Wie habt ihr euch kennengelernt?

KA: Piotr Grzesik und Mariusz „Pajdo” Pająk waren von Anfang an in der Band. Die Musik der Band wurde jedoch im Laufe der Jahre von anderen wechselnden Bandmitgliedern beeinflusst. Es war schlicht die Liebe zur Musik der 1980er, die die ersten Bandmitglieder zusammengebracht hat (lacht). Ich kam dann 2001 dazu. Ich kann mich noch sehr gut an meine erste Probe erinnern, bei der wir zusammen Zombie von The Cranberries gespielt haben. Dieser Augenblick hat ausgereicht, um am nächsten Tag das erste Konzert mit BDA zu geben und kurz darauf die Lead-Sängerin von Batalion d’Amour zu werden.

HL: Ihr seid gerade dabei, internationales Parkett zu betreten. Seid ihr aufgeregt?

KA: Natürlich. Das ist jetzt unser internationales Debüt. Von daher sind wir überaus glücklich, dass wir unsere Musik mit Leuten auf der ganzen Welt und Fans von Rock, Gothic Rock, Art Rock aber auch anderer alternativer Stile teilen können. Wir bekommen immer sehr motivierende Nachrichten von Leuten aus dem Ausland und das war, glaube ich, eine Art Stimulus, um auf internationaler Ebene zu starten. Der Meilenstein bei der Erstehung des Albums war die Begegnung mit einer großartigen Person aus dem internationalen Musikbusiness, die mich dazu inspirierte, global zu denken und der ich in diesem Moment sehr dankbar bin, da alles zuerst mit einem Gedanke beginnt. Wenn du an deiner Idee festhältst und deine Arbeit weiter verfolgst, kannst du deinen Traum erfüllen und das erreichen, was du wirklich möchtest. Das hat mich als Production Managerin motiviert und mir einen Blick über den Tellerrand ermöglicht. Es ist schwer, Zufriedenheit zu definieren. Auch wenn man einen ersten Schritt auf ein Ziel hin mach, braucht man dennoch mehr. Menschen, die nach Selbsterfüllung streben, sind sicherlich kreativer, flexibler und weniger ignorant. Wir können uns glücklich schätzen, auf unserem Weg wundervollen Menschen begegnet zu sein, die uns bei all unseren Schritten unterstützen und uns eine Menge beigebracht haben. Wir sind diesen Menschen wirklich sehr dankbar für ihr Engagement. Wir haben hart gearbeitet und wir tun das für unsere Fans und potenziellen Hörer. Unsere Leidenschaft für die Musik und unser Bedürfnis nach Schaffen treiben uns an. Wir hoffen wirklich sehr, dass uns das Publikum sein Vertrauen schenken wird und dass die Menschen das fühlen werden, was wir bei der Entstehung von „Fenix” erfahren haben.

HL: Mit einer Ausnahme sind alle anderen Songs auf eurem neuen Album auf Polnisch. Erzählst du uns, worum es bei den Songs geht?

KA: Wir wissen die große Chance wirklich zu schätzen, unsere Musik weltweit zu präsentieren. Aus diesem Grund haben wir ein zweisprachiges Booklet erstellt, um es den Hörern im Ausland leichter zu machen, unsere Text zu verstehen. Ich glaube, dass Songs auf Polnisch sowas wie ein Artefact sind und das internationale Publikum dazu ermutigen, uns auf unserer vor 2 Jahren begonnenen Reise zu begleiten. Wir hoffen, dass die Polnisch sprechenden Menschen auf der ganzen Welt die Möglichkeit haben, die Echtheit unserer Gefühle und unserer Musik zu spüren. Das neue Album ist eine Mischung aus verschiedenen Geschichten, die das Leben geschrieben hat, inspiriert von den Menschen um uns herum und gestaltet durch die Realität. Wir hoffen, dass die in „Fenix” erzählten Geschichten die Menschen dazu anhalten werden, ihre Gefühle und Gedanken zu reflektieren. Wir haben alle die gleichen Probleme, egal woher wir stammen.

HL: Werdet ihr künftig mehr englische Songs rausbringen oder ist eure Entscheidung, auf Polnisch zu singen, ein klares Statement? (Das zweisprachige Booklet mit allen Liedtexten auf Polnisch und Englisch ist übrigens sehr hilfreich – danke dafür).

KA: Wir arbeiten schon seit einiger Zeit an neuen Songs und wir haben vor, einige Songs auch auf Englisch aufzunehmen. Momentan sind wir jedoch hauptsächlich damit beschäftigt, unser Album „Fenix” zu promoten. Daher wird das nächste Album, das nach „Fenix“ erscheinen wird, vermutlich von der Zeit dazwischen und von neuen Konzepten geprägt sein. Ich muss gestehen, dass ich auch an Solo-Stücken arbeite, da ich meine musikalischen Ideen gerne mit der Welt teilen möchte. Das erste Stück, das fast fertig ist, ist tatsächlich auf Englisch (lacht).

HL: Euer neues Album heiß „Fenix“. Warum habt ihr diesen Titel gewählt? Steht er für einen Neubeginn, Wiedergeburt oder dergleichen?

KA: Du hast recht (lacht). Ich bin froh, dass du diesen Titel so interpretierst, da er in der Tat Wiedergeburt, Magie und Kreativität symbolisiert. Das neue Material ist ein Schritt zu mehr alternativer und Synth Rock-Musik und enthält Elemente aus Gothic und Art Rock. Dazu kam es hauptsächlich durch den natürlichen Wandel, den wir in den letzten Jahren erfahren haben, aber auch durch unsere Inspirationen und musikalische Entwicklung, die unsere Musik beeinflusst. Außerdem können die neuen Umstände, denen wir begegnet sind und die Chancen, die uns gegeben wurden, als Neubeginn gesehen werden.

HL: Seid ihr mit dem neuen Album zufrieden? Wie entsteht bei euch ein Album?

KA: Wir sind mit der Endfassung unseres Albums sehr zufrieden! Die Zeit, die wir im Studio verbracht haben, hat zu neuen Ideen und zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit international bekannten und polnischen Musikern geführt, die auf dem Album entweder einen Gastauftritt haben oder beim Aufnehmen und Mischen des Albums mitgewirkt haben: John Porter – engl. Musiker, Kooperation mit Maanam, Anita Lipnicka, gründete die Porter Band; Tomasz Grochola – Sänger von Agressiva 69, die Pioneer-Gruppe des Industrial Rock in Polen; Adam Drzewiecki – Pianist, Komponist, Producer, Kooperation mit Bands wie Püdelsi, O! Ela; Łukasz Belcyr – Gitarrist, Komponist, Studiomusiker, Produzent, Auftritte bei solch bekannten Festivals wie Sopot Top Trendy und das „National Festival of Polish Song“ in Opole; Paweł „Gabriel” Miller – Komponist, Violinist an der Oper in Wroclaw; Łukasz Pilch – Gitarrist, Komponist, Produzent, Kooperation mit Budka Suflera und Golec uOrkiestra, Łukasz Migdalski – Pianist, Produzent, Komponist, Kooperation mit Aion, Lebenssteuer, Sacriversum; Jarosław Huńka – Drummer, Toningenieur, Kooperation mit Golec uOrkiestra und Lizard; Joyful Voice– der Gospelchor aus Krakow mit dem Dirigenten Aleksandra Sławik; Paweł Penarski – Musikproduzent, DJ, Filmregisseur, Autor des Remixes von Shakiras Song „Rabiosa” und Ellie Gouldings Song „Starry Eyed”, Kooperation mit dem britischen Label XL Recordings, die den Remix der Single „Charlotte” machten und auch für die Regie zweier Videoclips verantwortlich waren (die Albumversion und der Remix von „Charlotte “). Alles, was während der Produktion geschah, war ein natürlicher Prozess und es war für uns eine sehr faszinierende und inspirierende Zeit. Für uns war es eine Ehre, mit derart professionellen und wunderbaren Künstlern zusammenzuarbeiten.

HL: Wie sucht ihr die Stücke für euer Album aus? Hattet ihr mehr Material als ihr eigentlich gebraucht hättet?

KA: Im Grunde genommen haben wir bereits die meisten Stücke für unser nächstes Album, das Album nach „Fenix”, fertig. Ich habe mit dem Gedanken gespielt, einen der brandneuen Songs auf unser neues Album zu packen, hatte dann aber Angst, dass das Album dann nicht emotional konsistent wäre. Im Laufe der Jahre haben wir so viele Ideen und Konzepte für unsere Songs gesammelt und unser Wunsch, unsere Musik mit der Welt zu teilen, wurde immer stärker. Aber es gab keinen „Funken“, einen Longplayer zu machen. Im Nachhinein denke ich, dass damals etwas gefehlt hat. Diese Lücke hat sich dann perfekt geschlossen, als ein Team großartiger Menschen aus dem Nichts auftauchte und uns zur Weiterarbeit motivierte. „Fenix” enthält alle Songs, die wir für dieses Album komponiert haben. Es ist ein Zeitstrahl und verbindet die Vergangenheit mit der Gegenwart.

HL: Hast du einen Lieblingssong auf dem Album?

KA: Das ist eine schwierige Frage … Das liegt wahrscheinlich daran, dass jeder Song seine eigene Geschichte hat und gleich wichtig für mich ist. „Charlotte” und „Moje Remedium” behandeln die Themen Gleichgültigkeit, Konsum und den ständigen Kampf, unsere Individualität zu wahren. Daher sind diese Stücke eine Art Manifest meiner Einstellungen. Zu „Zawróceni” wurde ich durch ein tragisches Ereignis, das ich in den Nachrichten gehört habe, inspiriert. Die Geschichte verdeutlicht das Bild der Gesellschaft, in der wir leben. Das persönlichste Stück für mich ist jedoch „The Lost Diary”. Paradoxerweise habe ich diesen Song nach Jahren in meiner Schublade wiedergefunden und ich musste diesen Song ganz einfach mit anderen teilen.

HL: Woher nehmt ihr eure Ideen für neue Songs und wie entsteht bei euch ein Lied?

KA: Normalerweise kommen uns beim Proben neue Ideen. Robert, unser Gitarrist, oder ich, beginnen mit einer Melodie. Dann stimmt der Rest der Band mit ein und wenn es dann soweit ist, verfeinern wir die Idee und machen daraus einen ganzen Song. Ich schreibe für gewöhnlich die Texte nachdem ich die Melodie komponiert habe, da mich dies dazu inspiriert, meine Gefühle durch Worte auszudrücken, basierend auf dem Konzept, das während der Entstehung des Instrumentalteils entstand. Ich absorbiere die Ideen aus der Realität, aus Büchern und verschiedenen Kunstformen. Texte zu schreiben ist für mich etwas ganz Natürliches und hilft mir dabei, meine Emotionen auszudrücken, die eine Mischung aus meiner Wahrnehmung und meinen Gefühlen sind– manchmal verborgen zwischen den Zeilen, manchmal nicht. Das hängt von dem Thema ab, das mich inspiriert. Bei diesem Album war ich die Production Managerin, wodurch ich mich noch besser zum Ausdruck bringen konnte. Ich habe mit zwei brillanten Musikern zusammengearbeitet – Adam Drzewiecki und Łukasz Migdalski, denen ich für ihr Engagement bei der Entstehung des Albums ganz herzlich danken möchte.

 

HL: Wie sehen die Zukunftspläne der Band aus?

KA: Nach der Veröffentlichung des Albums werden wir auf Tour gehen. Wir können es kaum erwarten, endlich unser Publikum zu treffen, da das Arbeiten im Studio nicht solche Emotionen hervorruft wie der reale Kontakt zu den Menschen. In etwas weiterer Zukunft steht dann das Aufnehmen des nächsten Albums an. Wir haben eine Menge Ideen. Ich hoffe, es gelingt uns, diese in die Tat umzusetzen.

HL: Wird es eine Tour geben? In welchen Städten/Ländern werdet ihr zu sehen sein und werdet ihr auch nach Deutschland kommen?

KA: Wir werden auf jeden Fall nach Deutschland kommen! Wir freuen uns, dass immer mehr Nachbarn im Westen Interesse an unserer Musik zeigen. Wir würden uns geehrt fühlen, in Deutschland aufzutreten. Wir würden auch gerne bei Festivals in Deutschland und anderen Ländern auftreten. Wir organisieren gerade unsere Tour. Von daher bitten wir alle Leser, unsere Website und unsere Seite bei Facebook zu besuchen, um alle Neuigkeiten und geplanten Auftritte mitzubekommen.

HL: Wie hast du persönlich zur Musik gefunden?

KA: Schon von klein auf hatte ich das Bedürfnis, mich künstlerisch zu betätigen. Ich ging 9 Jahre lang zum Ballet und probierte auch Schlittschuhlaufen und Singen aus; in der Grundschule war ich Solistin. Das Singen ist es dann geworden. Ich habe schnell erkannt, dass Singen meine wahre Leidenschaft ist und ich ohne nicht leben kann. Ich habe im Laufe meiner Schulzeit bei verschiedenen musikalischen Aktivitäten mitgewirkt und später dann an Gesangswettbewerben in ganz Polen teilgenommen. Ich habe mit verschiedenen Musikern und Bands gespielt. Meine Zusammenarbeit mit Batalion d’Amour fing an, als ich in der Oberschule war. Ich erfuhr zufällig, dass die Band auf der Suche nach einem neuen Sänger war und ich zögerte keine Sekunde und ging zur Bandprobe. So hat alles angefangen (lacht).

HL: Möchtest du unseren Leser in Deutschland noch was sagen?

KA: Da wir den realen Kontakt zum Publikum und zu unseren Fans wirklich sehr schätzen, möchte ich alle Fans dazu einladen, unsere Facebook-Seite zu besuchen. Ihr könnt gerne eure Meinung kundtun oder einfach mit uns chatten (lacht). Es wäre für uns wirklich eine tolle Erfahrung, mit euch über unsere Texte, Musik und andere Dinge zu sprechen und eure Fragen zu beantworten. Ich muss gestehen, dass ich eine sehr gesprächige Person bin, was vermutlich an meiner extrovertierten Art liegt. Ich bin mir sicher, dass eure Ideen, Geschichten und Meinungen eine Inspiration für ein weiteres Album sein werden. Wir freuen uns darauf, euch alle bei unseren Auftritten und Festivals zu sehen. „Fenix” ist eine Geschichte, die von einer polnischen Band erzählt wird und richtet sich an alle Menschen auf der ganzen Welt. Wir freuen uns auf eure Meinungen, denn so entwickeln unsere Kompositionen ihr eigenes Leben.