Das große Interview mit SOEN – … vom Einfluss der Pandemie auf die Lyrik

Das Gründungsdatum geht bis ins Jahr 2004 zurück, so richtig los ging es für die multinationale Rock- und Metalgruppe SOEN aber erst sechs Jahre später. Insgesamt hat das Quintett inklusive des neuesten Werks „Imperial“, fünf komplette Alben („Cognitive“/2012, „Tellurian“/2014, „Lykaia“/2017, „Lotus“/2019 und neu „Imperial“/2021) veröffentlicht, seit 2017 sind sie beständige Gäste in den internationalen Albumcharts. Über den neuesten Silberling und einige Themen mehr konnten wir uns mit Schlagzeuger und Gründungsmitglied Martín López und Sänger Joel Ekelöf austauschen, lest, was die Herren mitzuteilen haben …

Joel Ekelöf (Gesang) & Martin Lopez (Drums) / Foto-Credits by Inaki Marconi

Hardline: Hallo die Herren, danke, dass ihr euch Zeit für unsere Hardline-Magazin-Leser nehmt und meinen Glückwunsch zu einem wirklich großartigen neuen Album! Bevor wir zu „Imperial“ kommen, kurz zu euch beiden: Martín, du bist 1978 geboren, also Kind der späten achtziger Jahre, welche Bands haben dich in deiner Jugend begleitet und wer war ausschlaggebend, dass du Drummer wurdest?

Martín López: Als junges Kind in den 80er Jahren hörte ich mir an, was ich in die Hände bekommen konnte, begann mit Pink Floyd, dann Alice Cooper, WASP, Iron Maiden, Dio etc. Danach entdeckte ich Slayer und stieg in die Thrash-Metal-Szene ein. Ich glaube
nicht, dass vor allem ein spezieller Schlagzeuger ein entscheidender Faktor dafür war. Ich war schon immer von Rhythmen und verschiedenen Percussions verführt worden, aber ich wurde natürlich von vielen inspiriert, von Gary Driscoll bis Dave Lombardo.

HL: Joel, an dich die gleiche Frage, 1980 geboren, also in einer ähnlichen Phase wie Martín groß geworden. Was hat bei dir den Ausschlag gegeben und ab wann war für dich klar, dass du Sänger wirst anstatt zum Beispiel Bassist?

Joel Ekelöf: Ich war ungefähr 15 Jahre alt, als ich merkte, dass ich Sänger in einer Band werden wollte. Davor hatte ich wohl eine Idee, dass ich singen könnte, aber ich hatte keine wirkliche Art, es auszudrücken. Aber seit diesem Tag haben sich die meisten meiner Aktivitäten um das Singen entwickelt. 

Die Texte sind vom aktuellen Zustand der Welt beeinflusst“

HL: Dann jetzt mit aller Konzentration in Richtung neues Album „Imperial“, ein Album mit „nur“ acht Songs, textlich allerdings alles andere als Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll, sondern mit sehr nachdenklichem Inhalt. Könnt ihr uns kurz beschreiben, mit welchen Gefühlen/Gedanken ihr an die Texte herangegangen seid? Hat eventuell auch der schwedische Weg in dieser Pandemie damit etwas zu tun gehabt? In welcher Form haben sich im Allgemeinen die Arbeiten an diesem Album von den Vorgängern wie zum Beispiel „Lotus“ oder „Lykaia“ unterschieden?

Soen: Die Texte auf Imperial sind in erster Linie vom aktuellen Zustand der Welt beeinflusst. Es berührt einige der Themen, die nicht nur für uns gelten, aber global zu spüren sind. Fragen der Menschlichkeit, der Macht und unseres gesellschaftlichen Schicksals, um nur einige zu nennen. „Lotus“ hatte mehr lyrische Inhalte, die persönlicher waren, aber „Imperial“ ist Soens Zeitung. Viele dieser lyrischen Ideen wurden vor der Pandemie gebildet, aber die Pandemie hat sicherlich viele der Themen, die in den Texten vorkommen, vergrößert.

HL: Was auffällt ist, dass sowohl der Album-Titel als auch die Songs immer nur aus einem Wort bestehen. Nehmen wir mal die Dänen von Volbeat als Beispiel, die immer einen halben Satz als Album-Titel präsentieren (zum Beispiel „Seal The Deal & Let’s Boogie“), warum immer nur ein Wort und welche Idee, welcher Grund steckt hinter „Imperial“? Frage anhängend, wie lange dauert bei euch die Suche nach einem geeigneten Album-Titel? Einige Bands nehmen sich da schon mehrere Abende für Zeit …

SOEN: Für uns dienen Titel dem Zweck, den Hörer anzulocken, damit er „reinkommt und sieht, worum es geht“. Bei langen Titeln finden wir, dass zu viel von dem Geheimnis eines Songs sofort weggenommen wird. Natürlich soll der Songtitel relevant sein, aber nie zu aufschlussreich. Wir dachten, „Imperial“ passt zu den lyrischen Themen und der Stimmung des Albums. Wir wollten etwas Starkes und Ergreifendes. Es hat wahrscheinlich einen Monat oder so gedauert, bis wir uns mögliche Album-Titel ausgedacht hatten.

Cody Ford (Gitarre) / Foto Credit by Inaki Marconi

HL: Meine Favoriten auf dem Album sind „Monarch“, die Mid-Tempo-Nummer „Illusion“ und die beiden rockigen „Modesty“ und „Dissident“, auch ansonsten erkenne ich keinen einzigen Füller, well done! In Deutschland konntet ihr euch nach Platz 72 („Lykaia“) und Platz 22 („Lotus“ nun auf Platz 16 der deutschen Album-Charts platzieren, in der Schweiz sogar auf Platz 9, Glückwunsch zu diesem Ergebnis. Wie wichtig sind euch solche Ergebnisse? Ist man stolz auf das Erreichte und die damit verbundene Wertschätzung der doch loyalen Fans oder ist dieses für euch eher sekundär?

HL: Dankeschön! Am Ende des Tages hatten wir das Gefühl, dass uns die Platte wirklich gut gelungen ist und wir waren alle glücklich darüber. Aber diese Ergebnisse sind immer eine angenehme Überraschung. Man weiß im Voraus nie, wie eine Platte ankommt, und diese Chart-Platzierungen haben uns schon ein Lachen ins Gesicht gezaubert, und ja, es wurde auch ein wenig darauf angestoßen!

HL: Im oberen Bereich habe ich von „nur“ acht Songs geschrieben, die es auf „Imperial“ geschafft haben. In einem Interview mit einem anderen Magazin konnte ich lesen, dass ihr Pandemie-bedingt ganz andere Möglichkeiten vorgefunden hattet. Joel, du meintest dazu „wir hatten die Möglichkeit, uns voll und ganz auf das Album zu konzentrieren. Wir hatten mehr Zeit und Ruhe als je zuvor. Da war kein Druck und es gab auch keine festgelegten Zeiten, auf die wir achten mussten.“ Wie viele Songs habt ihr insgesamt in der „Vorstufe“ gehabt und gibt es eventuell weitere Songs, die als Bonus noch das Licht der Welt erblicken?

SOEN: Wir haben tatsächlich viele Songs „in petto“ und niemand weiß zum jetzigen Zeitpunkt, ob Bonus-Tracks eines Tages erscheinen, die Möglichkeit besteht in jedem Fall!

„Wir mögen es, beschäftigt zu bleiben – Pandemie hin, Pandemie her.“

HL: Nun macht die anhaltende Pandemie auch weiterhin ein Touren unmöglich, sind eventuell schon neue Songs in der Entstehungsphase, gar ein weiteres, rasch folgendes Album in Planung?

SOEN: Wir mögen es, beschäftigt zu bleiben, Pandemie hin, Pandemie her. Wenn wir nicht touren können, können wir genauso gut Songs kreieren. Also ja! Wir haben mit dem Schreiben begonnen. Aber uns juckt es definitiv in den Fingern, wieder auf Tour zu gehen und endlich diese Platte mit den Fans zu feiern.

HL: Das glaube ich gerne, mit diesem Begehr seid ihr auch nicht allein, auch die Fans sehnen sich diese Termine, diese Möglichkeiten herbei! Mein Glückwunsch gilt aber nicht nur der großartigen musikalischen Leistung, sondern auch dem Cover. Wer ist dafür verantwortlich und wessen Idee war dieses Symbol der Schlange?

SOEN: Die Grafik stammt von einer Freundin, die auf den Namen Wriliya hört. Sie zeichnet bereits für das Lotus-Cover verantwortlich. Die Schlange ist ein prominentes Symbol in unserer Band und wir wollten etwas Schlichtes und Klassisches und dachten zudem, dass die Schlange auch thematisch gut zur Platte passt.

…wir benutzen diese proggigen Elemente lieber als Gewürz….

Lars Åhlund (Keys & Gitarre) / Foto Credit by Inaki Marconi

HL: Das tut sie! Viele Kollegen beschreiben eure musikalische Richtung mit progressivem Metal, ich tue mich mit einer Einschätzung schwer, wie würdet ihr euren aktuellen Stil bezeichnen?

SOEN: Ich würde sagen, wir sind eher eine „Metal“-Band als alles andere. Natürlich haben wir einige progressive Elemente, aber nicht in der Dichte, wie es diese modernen Prog-Bands tun. Wir benutzen diese proggigen Elemente lieber als Gewürz und nicht als vollwertige Mahlzeit.

HL: Gut beschrieben! Dann gehören jetzt die letzten Worte euch, vorher bedanke ich mich und wünsche euch vor allem: Gesundheit! Auf dass wir uns bald wieder alle face to face begegnen können!

SOEN: Vielen Dank für eure Unterstützung, es bedeutet uns wirklich viel. Wir können es kaum erwarten, die Menschen in Deutschland wiederzusehen, bleibt bis dahin gesund und viel Spaß mit dem neuen Album!

Text: Alexander Stock