Copenhell – Die Hölle über Dänemark

Copenhell – Die Hölle über Dänemark

Bereits zum achten Mal findet mitten in der dänischen Hauptstadt das Heavy Metal Festival Copenhell statt. Seit 2010 geben sich die größten Bands der Szene die Klinke in die Hand. Megadeth, Slayer, Bullet for my Valentine, Marilyn Manson, Scorpions, Iron Maiden und Black Sabbath haben sich hier schon die Ehre gegeben. Grund genug auch für uns, diesem Festival mal einen Besuch abzustatten.

 

Tag 1 – 22. Juni 2017

Nachdem ich bereits einen Tag vorher in Kopenhagen angekommen bin und mir sowohl Festivalbändchen als auch Fotopass besorgt hatte, stelle ich am heutigen Donnerstag fest, dass das Copenhell hier in Dänemark ähnlich zelebriert wird, wir bei uns das Wacken Open Air. Schon Stunden vor Öffnung des Geländes finden sich tausende Fans vor den Toren an, um bei Bier und Konservenmusik auf die Öffnung des Geländes zu warten. Und auch die Securities haben sichtlich Spaß daran, die Fans anzufeuern. Vor Beginn kommt ein weiblicher Fanfarenzug nach vorne, um den Fans kurz vorher nochmal richtig einzuheizen. Pünktlich um 12:59 öffnet dann die Security mit einem laut mitgerufenen Countdown die Tore zur metallischen Glückseligkeit. Alle Tore? Nein, denn das Infield bleibt noch eine Weile geschlossen. Also können sich die Fans in Ruhe mit Getränken, Futter oder Merchandise ausstatten, bevor es richtig zur Sache geht. Doch eine Bühne ist bereits bereit für das Publikum. Auf der Pandaemonium Stage bereiten sich Inglorious bereits vor, alles zu geben. Die Band um Ex-Trans-Siberian Orchestra Mitglied Nathan James. Diese hat die ungnädige Aufgabe als allererste Band loszulegen. Doch sie machen ihre Sache gut. Erdiger Hard Rock, gepaart mit viel Spiellaune, da schmeckt das Bier schon am frühen Nachmittag. Und während Inglorious noch im vollen Gange sind, bereiten sich Fans und Security bereits auf die Öffnung des Infields vor, was auch unter großem Jubel, inklusive Countdown, zelebriert wird. Kurz darauf haben die Fans die Wahl zwischen Devildriver, die als erste Band eine der Hauptbühnen bedienen werden, oder Every Time I Die auf der Pandaemonium Stage. Da ich auf beide Bands keine Lust habe, sorge ich erst einmal dafür, dass die Kamera-Akkus voll geladen werden. Um kurz nach 16 Uhr heißt es dann auf der großen Hauptbühne Helviti: Vorhang auf für In Flames! Unglaublich, bei deutschen Metal-Festivals würde diese Band als Headliner spielen, aber hier laufen die Uhren anscheinend anders. So spielten Blind Guardian im letzten Jahr auch als eine der ersten Bands – bei uns undenkbar. Wie dem auch sei: Mit „Wallflower“ vom aktuellen Album legen die Schweden auch schon ordentlich los. Anders Friden und seine Jungs spielen ein abwechslungsreiches Set, das mit „Moonshield“ und „The Jester’s Race“ sogar zwei Überraschungen aus früheren In Flames-Tagen zu bieten hat. Kurz vor „Cloud Connected“ verdient sich die Band auch noch mehrere Sympathiepunkte, als Anders nämlich im Publikum einen kleinen Jungen entdeckt und diesen auf die Bühne holen lässt. Dort wird er mit Getränken ausgestattet und darf sich von nun an den Rest der Show von dort aus anschauen. Kurz darauf darf auch der Vater des Jungen auf die Bühne und wird mit Bier versorgt. Während der Soli setzt sich Anders zu den beiden, macht Selfies und albert mit ihnen herum. Schöne Aktion. Nach dem obligatorischen „Take This Life“ ist dann auch schon wieder Schluss. Und ich muss wählen zwischen Carcass und Frank Carter & The Rattlesnakes. Da Herr Carter im Vorfeld schon viele Lorbeeren einheimsen konnte, wollte ich mich selber von ihm überzeugen und mache mich auf zur Pandaemonium Stage. Hier bringt der Amerikaner eine sehr gut eingespielte Band mit auf die Bühne und liefert eine energiegeladene Show, bei der er sich auch gerne ins Publikum begibt. Als Frank Carter seine Show beendet hat, wird sich noch kurz mit Getränken ausgestattet, bevor es zurück zur Helviti Stage geht. Denn hier bereiten sich die Prophets Of Rage auf ihren Auftritt vor. Wer diese Band nicht kennt, den klären wir gerne auf: Prophet Of Rage, das sind Musiker von Rage Against The Machine, gepaart mit Musikern von Cypress Hill und Public Enemy. Verständlicherweise besteht der Großteil des Sets aus Material von Rage Against The Machine, aber auch jeweils ein Song von Public Enemy und Cypress Hill finden den Weg ins Set. Da ich noch nie ein Fan von Rage Against The Machine war, ist das Set für mich auch nur okay. Pluspunkte ernten der fette Sound und die Spielfreude der Band. Einen Bonuspunkt erntet außerdem die instrumentale Version des Audioslave-Hits „Like A Stone“, der zu Ehren des verstorbenen Chris Cornell gespielt wurde. Nach Prophets Of Rage kann man noch etwas Luft holen, bevor es weitergeht. Denn Saxon stehen fast eine Stunde später auf der Hades Stage. Die befinden sich immer noch auf ihrer „Battering Ram“-Welttournee und machen heute halt in Kopenhagen Halt. Mit dem Titeltrack vom aktuellen Album geht es auch schon richtig los. Der Fokus liegt allerdings (fast) verständlicherweise auf den Band-Klassikern der Marke „Power And The Glory“, „20.000 Ft“, „Heavy Metal Thunder“, „Crusader“ und „Princess Of The Night“. Eigentlich ein Rundum-Sorglos-Paket für alle Anhänger dieser Heavy Metal-Legende. Die Band ist gut drauf und Sänger Biff scherzt regelmäßig mit dem Publikum. Eine tolle Show einer großartigen Liveband. Dann heißt es auch schon wieder: Zurück zur Helviti Stage, denn System Of  Down haben sich angekündigt. Um ehrlich zu sein: Ich war nie ein Fan dieser Band und finde sie restlos überbewertet. Aber sie sind nun mal hier und da kann man sich auch selber ein Bild vom Ganzen machen. Mit einer zehnminütigen Verspätung entert die Band dann auch die Bühne und legt unter großem Jubel mit „Suite-Pee“ richtig los. Und schon fühle ich mich bestätigt, warum ich die Band nicht mag. Alles zu chaotisch, alles scheint ohne Konzept (wie gesagt: scheint). Die Musik ist nicht meine Welt, ergo verabschiede ich mich nach „Aerials“ und verlasse das Festivalgelände.

 

Tag 2 – 23. Juni 2017

Ach Leute, wie herrlich ist das, ein Festival zu besuchen, das direkt in einer Großstadt ist? Man kann nämlich direkt nach dem Tag in eines der vielen Hotels gehen und dort nächtigen – so wie ich. Ich weiß, für viele gehört Camping einfach mit zum Festival-Feeling, ich allerdings genieße diese Vorzüge. Also mache ich mich nach einem ausgiebigen Frühstück wieder auf dem Weg zum Festival, das übrigens auf dem ehemaligen Gelände einer Schiffswerft liegt und vom Hafen der Stadt aus gut zu sehen ist. Nach gut 20 Minuten Fußweg erreiche ich auch den – noch geschlossenen – Eingangsbereich und werde von den Security zu einem gesonderten Eingang für Pressevertreter gebracht – hätte ich das mal gestern gewusst. Kein Problem, so kann ich jetzt in Ruhe Handy laden und Kamera vorbereiten, bevor der Trubel losgeht. Heute ist schließlich Großkampftag. Pünktlich um kurz nach 12 steht die dänische Power Metal-Band Sven Thorns auf der Bühne und begeistert das Publikum mit ihrem klassischen Heavy Metal, der irgendwo zwischen Sonata Arctica und Hammerfall angesiedelt ist. Guter Auftakt. Nicht spektakulär, aber gut. Danach geht es zur Hades Stage, wo die nächste Gruppe aus Dänemark bereit ist, das Publikum anzuheizen: The Interbeing spielen Technical Death Metal und liefern eine gute Show. Auch die Gesangs-Parts, die zwischen Growls und klarem Gesang wechseln, kommen gut an. Diese Band werde ich zuhause auf jeden Fall mal genauer anschauen. Nach The Interbeing hat der geneigte Fan die Wahl: klassischer Hard Rock von Baroness oder Progressive Metal von Psychotic Waltz. Ich entscheide mich für Baroness. Das Set ist auf jeden Fall toll, jedoch fehlt es mir hier an Elan. Da kommt nicht viel Aktion von der Band, was schade ist und ich die Show auch daher etwas früher verlasse. Die Zeit nutze ich, um das sehr weitläufige Gelände zu erkunden. Neben der üblichen Fressmeile gibt es natürlich auch hier den Metalmarkt mit Utensilien aller Art. Interessant ist die alte Werft-Halle, in der sich eine Art Galerie befindet. Hier sind allerlei Cover von Metal-Alben zu finden, die man sich, wenn man will, dann auch zuhause hinhängen kann. Wer keine Lust auf Heavy Metal hat, der kann auch die große Half-Pipe besuchen oder im ‚Smadreland‘ mit einem Vorschlaghammer auf Autos einschlagen. Wer es mag. Inzwischen heißt es dann für mich: Auf zur Helviti Stage. Denn es gibt Rock’n’Roll aus Australien. Nein, nicht AC/DC sind da, sondern ihre Thronfolger Airbourne. Und wer Airbourne schon einmal live gesehen hat, der weiß, wie energiegeladen diese Shows sind. Copenhell macht da keine Ausnahme. Hier stimmt alles. Es macht unheimlich Spaß, diese Jungs zu sehen. Nach einer Stunde geht diese kurzweilige Show dann auch zuende. Nun heißt es wieder wählen: The Dillinger Escape Plan oder Motionless in White. Ich entscheide mich für Letztere und wandere zur Pandaemonium Stage. Und da stehen schon jede Menge Fans dieser Gothic Metal-Band. Ich bin mit der Discographie von Motionless in White jetzt nicht so vertraut, doch die Gruppe macht eine gute Figur und weiß ihre Fans zu begeistern. Das scheint aber dem Wetter nicht zu imponieren, da es mitten im Set anfängt zu regnen. Gott sei Dank ist die Kamera schon vorher verstaut worden. Doch der Regen währt nicht lange. Pünktlich zum Start von Alter Bridge ist wieder alles gut. Und so soll es auch sein, steht doch eine meiner Lieblingsbands auf der Bühne. Mit „Come To Life“ steigt die Band um Sangesgott Myles Kennedy ins Set ein. Und sie haben in der kurzen Zeit, die ihnen für ihre Show bleibt, auch eine ausgewogene Mischung aus allen Alter Bridge-Alben bereitgestellt, was natürlich allen gefällt. Nach „Metalingus“ beenden die Jungs ihr offizielles Set, kommen jedoch noch einmal zurück und legen mit „Show Me A Leader“ und „Rise Today“ noch einmal nach, bevor endgültig Schluss ist. Bevor es weitergeht, kann man nochmal kurz Luft holen, denn auf Alternative Rock von Alter Bridge folgt nun klassischer Hard Rock von Black Star Riders. Die Band, die aus der Asche von Thin Lizzy hervorgegangen ist. Diese Gruppe startet mit „All Hell Breaks Loose“ und „Heavy Fire“ auch schon extrem rockig. Die Jungs wissen, dass dies ein Heavy Metal Festival ist und legen mit Songs wie „Bloodshot“, „The Killer Instinct“ und „When The Night Comes In“ ordentlich nach, bevor sie mit „The Boys Are Back In Town“ das erste Lizzy-Ass aus dem Ärmel ziehen – garantiert ein Zugeständnis an ihren Gitarristen, Ex-Lizzy-Mitglied Scott Gorham. Danach folgen noch einige Bandeigene Kracher, bevor sie mit dem nächsten Lizzy-Klassiker „Whiskey In The Jar“ das Konzert beenden. Nach diesem Ausflug in die Klassiker-Ecke steht mit Five Finger Death Punch eine der derzeit angesagtesten Bands aus Amerika als Headliner auf dem Programm. Kurz zuvor hatte diese Band, vielmehr ihr Sänger Ivan Moody, in Holland für einen Eklat gesorgt, indem er erst verspätet die Bühne betrat und ein Ersatzsänger ihn anfangs vertreten musste, nur um zwischendurch die Bühne öfter zu verlassen und kurz darauf auch bekanntgab, dass dies der letzte Auftritt mit seiner Band ist. Es ist also Unsicherheit im Raum, ob die Band kommt und wenn ja, wer den Sangesposten übernimmt. Aber die Band steht pünktlich auf der Bühne und hat mit Bad Wolves-Sänger Tommy Vext einen mehr als adäquaten Ersatz dabei. Dies beweist er gleich beim ersten Song „Lift Me Up“. Ivan Moody wird nicht einmal vermisst. Geile Stimme. Die Bühne posed wie immer und hat Spaß auf der Bühne. Auch die Setlist wird abgefeiert. Ob jetzt neuere Songs wie „Got Your Six“, „Jekyll And Hyde“ oder ältere Hits der Sorte „Bad Company“, „Coming Down“, „Burn It Down“ und „Under And Over It“. Hier stimmt alles. Mit dem Klassiker „The Bleeding“ ist dann aber auch Schluss. Und dann geht es auch endlich zur Hades Stage, denn unsere Lieblingswölfe warten schon auf ihren Auftritt. Obwohl Powerwolf-Sänger Attila Dorn im Vorfeld mir gegenüber seine Sorge zum Ausdruck gebracht hatte, dass um kurz vor 1 Uhr morgens kaum Fans vor der Bühne stehen werden, lässt ein erster Blick in Richtung Bühne alle Sorgen wegwischen, denn es ist proppenvoll – und das, obwohl das letzte Album der Band bereits zwei Jahre alt ist und sie damit schon um die ganze Welt getourt sind. Die Fans bekommen nicht genug von den Wölfen, wie sich zeigen wird. Das Set ist inzwischen schon Standard und liefert den Fans Hits wie „Blessed And Possessed“, „Amen And Attack“ oder „Army Of The Night“. Trotz der späten Stunde gehen Fans und Band voll ab und es ist eine wahre Freude, die Show zu verfolgen. Ein Fan legt sich sogar so sehr ins Zeug, dass er komplett nackt Crowdsurfing macht. Das wird natürlich von Powerwolf gewürdigt, indem sie dem Fan „Resurrection By Erection“ widmen. Nach einer guten Stunde ist dann auch Schluss und es geht wieder ins Hotel.

 

Tag 3 – 24. Juni 2017

Himmel, was war das für ein geiler Tag gestern! Zwar schmerzen die Füße immer noch ein wenig, aber das gehört nun mal dazu. Heute ist ja auch der letzte Tag und für mich auch der ruhigste, denn es stehen heute nicht viele Bands für mich auf dem Plan – drei Stück um genau zu sein. Am Gelände angekommen fängt es auch schon wieder an zu regnen. Toller Start. Das denkt sich wohl auch die britische Band The Raven Age, die zu früher Stunde auf die Bühne muss und derzeit den Soundcheck bewältigt. Die Jungs haben garantiert mit einem leeren Platz vor der Bühne gerechnet, wenn sie loslegen. Doch pünktlich zum Start hört der Regen auf und die Sonne kommt heraus. Somit können The Raven Age auch auf einen vollen Platz vor der Bühne blicken. Die Band, die bereits mit Iron Maiden um die Welt getourt ist, hat ihr erstes Album im Gepäck und weiß das Publikum zu begeistern. Aber auch hier ist nach gut 50 Minuten Schluß – schade, ich hätte den Jungs mehr Zeit gewünscht. Aber das Publikum ist zumindest begeistert. Danach heißt es: Beine ausstrecken, denn nun steht eine lange Pause an. Denn Bands wie Ghost Iris, Baest oder Rising kenne ich nicht und auf Hatesphere oder Lost Society habe ich keine Lust. Die Zeit über habe ich die Möglichkeit, Europe-Bassist John Levén zu interviewen oder mit The Raven Age-Sänger Michael Borrough tiefgründige Gespräche zu führen, bevor es für Europe wieder nach vorne geht. Die feiern heuer das 30. Jubiläum des Über-Albums „The Final Countdown“ und wollen das natürlich zünftig zelebrieren. Aber, genau wie ihre Kollegen von Black Star Riders am Vortag, sind sich die Schweden bewusst, dass dies ein Heavy Metal Festival ist und so sind Balladen nicht nur rar gesät, sondern schlicht gar nicht vorhanden (kein „Carrie“ – damn). Aber mit „War Of Kings“, „Rock The Night“, „Scream Of Anger“, „Last Look At Eden“ oder „Superstitious“ hat die Band genug rockendes Material am Start. Mit dem obligatorischen Jahrtausend-Hit „The Final Countdown“ geht dann auch dieses Konzert zuende. Da ich auch auf Overkill keine Lust habe, kann ich in Ruhe etwas essen, bevor es zu Rob Zombie geht. Der bietet seinen Fans auch eine großartige Show, die sehr auf Optik setzt, was man schon an seinem Gitarristen John 5 sieht – klar der Mann ist ja schließlich auch ein gefeierter Regisseur. Mit „More Human Than Human“ und „Thunder Kiss 65“ finden sich auch zwei Ausflüge in Zombies Vergangenheit bei der Kult-Band White Zombie wieder. Und mit „Blitzkrieg Bop“ und „Schools Out“ verbeugt sich Rob Zombie vor seinen Idolen. Mit dem ureigenen Klassiker „Dragula“ endet nun auch nicht nur das Rob Zombie-Set, sondern für mich auch das ganze Festival, denn auch auf Opeth und Slayer habe ich keine Lust. Nächstes Jahr hat mich das Copenhell auf jeden Fall wieder, denn im Gegensatz zu vielen deutschen Festivals ist hier alles entspannt und stressfrei. Leider wäre es in unserer Hauptstadt nicht möglich, ein solches Festival zu veranstalten. Na ja, dann geht es halt zum Nachbarn. Bis nächstes Jahr.

Text: Pat St. James