„Wie der Metal auf die Philippinen kam“ – Ritchie Newton im großen Interview

Ritchie Newton, Host der Metal is forever Rockcast Show plaudert heute über seine Sendung und sein bewegtes Leben

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen, das dachte sich auch Ritchie Newton, seines Zeichens Rockmusiker, Auswanderer, Buchautor und Lebenskünstler, als er zu Jahresbeginn ein neues Baby aus der Taufe hob. Der mittlerweile auf den Philippinen ansässige Bayer, tourte viele Jahrzehnte zunächst als Rockmusiker mit div. Bands erfolgreich durch die Weltgeschichte. Vom unsteten Tourleben und Alkohol gezeichnet, wanderte er 1997 nach Thailand aus und erfand sich neu – als Elvis Tribute Artist. Losgesagt vom Alkohol wurde er rasch zum Star in Südostasien. Leider blieb ihm das Glück nicht hold, eine Abwärtsspirale setzte ein und das Leben schlug zu. Er verlor seinen Sohn auf tragische Weise, seine Beziehung ging in die Brüche und durch politische Unruhen brachen ihm Shows und somit die Lebensgrundlage weg. Doch der symphatische Bayer ist ein Steh-auf-Männchen und kämpfte sich mit der Hilfe seiner Verlobten Mary-Ann zurück, schrieb vier Bücher über sein wildes Leben und sprüht heute wieder vor Energie und Lebensfreude.  Aber nun lassen wir ihn selbst sprechen. 

Hardline: Hallo Ritchie, klasse dass du die Zeit gefunden hast unseren Lesern von deinem Rockcast, der sich sinnigerweise Metal is forever nennt, zu erzählen. Wie kamst du auf die Idee?

Ritchie Newton: Hallo und danke für die Chance, meine Sendung hier vorstellen zu können.

Vergangenes Jahr sollte ich ursprünglich kurz vor dem Lockdown in Deutschland und Frankreich auf Tour gehen aber die Lage wurde stündlich extremer, immer mehr Flüge fielen aus.  Einer inneren Stimme folgend sagte ich alle Dates ab und blieb auf den Philippinen, das Land hat dann komplett dichtgemacht, keiner kam mehr rein oder raus und ich saß ohne Einnahmen aber mit viel Zeit fest. Nach anfänglicher Schockstarre entstand immer mehr der Gedanke, einen Metal Podcast zu starten, Bands einzuladen und zu interviewen. Gesagt – getan, von der ungeheuren Unterstützung meines alten Weggefährten Tom Axinger, der an dieser Stelle unbedingt erwähnt werden muss, ermutigt, startete ich dann nach vielen Tutorials im Januar 21 das Format als Rockcast Show auf YouTube. In meinem kleinen Studio „Toms Cabin“, werkelte ich täglich viele Stunden, fragte Bands an, Schnitt Videos und bereitete Sendungen vor.    Mein Ziel war es, täglich von Mo. – Fr. 20.00 Uhr live on air zu gehen, alle musikalischen Spielarten des Metals zu bedienen und neben bereits bekannten Künstlern auch den Newcomern eine Plattform zu bieten.

HL: Der Erfolg hat dir Recht gegeben, denn die Sendung erfreut sich einer stark wachsenden treuen Zuschauerschar und auch in Musikerkreisen ist das Format sehr beliebt, gibt es doch den Musikern die Chance, in der Zeit des Stillstands  Öffentlichkeitsarbeit zu machen und neue Projekte und Alben zu promoten. Es waren ja nun schon viele namhafte Bands und Künstler bei dir, die die Show und die Interaktion mit den Zuschauern sichtlich genossen haben und jede Menge Spaß hatten.   

RN: Richtig, die Künstler sind unheimlich dankbar und sehr motiviert, der Krise das Beste abzugewinnen. U.a. hatte ich die Ehre Musiker wie Blaze Bayley, Gus G., Thundermother, Hermann Frank, Sven Dirckschneider, Vicious Rumors, Sorcerer und viele mehr zu Gast zu haben und auch viele hoffnungsvolle Newcomer, die sonst nur schwer Gehör finden. Die Fans und Metalheads haben durch die Sendung wieder mehr das Gefühl, ein Teil dieser Community zu sein auf die wir alle zurzeit notgedrungen verzichten müssen, ein beträchtlicher Teil davon sind Singles, für die ist es natürlich besonders bitter.  Diese Mischung macht es aus und natürlich meine Truppe, die für die Bookings, Social Media, Marketing etc.  zuständig ist und felsenfest hinter mir steht, ebenso wie meine Co-Hosts der Freitagsshow.

HL: Wie ist die Resonanz der Musiker und der Fanbase?

Durchweg positiv, viele Musiker sagen sofort ihr Kommen zu und sind danach wirklich happy dabeigewesen zu sein und empfehlen uns auch ihren Kollegen.

 Unser Fanclub wächst stetig und ich sehe mich durch viele tolle Zuschriften täglich bestätigt, dass die Leute gerade sehr viel vermissen, die Show sie aber von ihren Alltagssorgen ablenkt und ein Forum bietet, nicht nur neue Musik, sondern auch neue Leute kennenzulernen. Das Besondere ist auch, dass die Leute direkt mit den Musikern in Verbindung treten können, Fragen stellen und somit Teil des Ganzen sind. Wir zeigen Videos aus verschiedenen Stadien der Bands, die Künstler haben auch selbst einen riesen Spaß und sind richtige Plaudertaschen. Die Shows werden gestreamt, sodass sie jederzeit angesehen werden können. Wir sehen an den Aufrufen nach ein oder zwei Tagen wie viele Zuschauer wir erreicht haben und das spornt uns an, jeden Abend aufs Neue der Tristesse paroli zu bieten.

HL: Nun befindest du dich im vierten Monat der Show, was sind deine Ziele?

RN: Zunächst muss ich sagen, dass die Monate Mai und Juni bereits wieder ausgebucht sind, Themenabende und Specials sollen die Sache abrunden und mein Wunsch ist, dass wir am Jahresende als Team immer noch zusammen sind, vielen Menschen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert haben und unter der Devise Metal is forever das Schiff auf Kurs halten. Vielleicht verirrt sich ja auch David Coverdale mal in unsere Sendung, das wäre schon ein Träumchen…..

HL: Hut ab, man merkt deutlich welche Passion dahintersteckt, weiterhin alles Gute und viel Erfolg für Metal is forever und deine Crew.

RN: Danke, schaut mal rein bei uns, und – vor allem, bleibt gesund.

Ritchie@metal-is-forever.rocks

www.metal-is-forever.rocks

Text: Elke Grözinger