Live

Wildfest am 23.-24.05.2025 in Geraardsbergen (Belgien)

Wildfest
23.-24.05.2025
Geraardsbergen (Belgien)

Zum allerletzten Mal kamen Sleaze und Melodic Rock Fans aus Europa zum alljährlichen Familientreffen in Geraardsbergen zusammen, um die achte und finale Ausgabe des Wildfestes gebührend zu feiern. Dafür hatte das Veranstalterteam um Jan De Greve und Sven Berckmoes erneut ein hochkarätiges Line-up zusammengestellt – mit einer Besonderheit: beim letzten Wildfest traten ausschließlich Bands auf, die in den vergangenen 10 Jahren schon mal auf dem Festival gespielt haben. Und bereits im Vorverkauf waren alle Tickets weg und ein „Sold Out“ zierte die Tageskasse, auch wenn das erst am zweiten Tag spürbar war.


Die belgische Kombo All I Know hatte die Ehre, am Freitagnachmittag das letzte Wildfest zu eröffnen und machte das ganz wunderbar. Der poppige Melodic Rock um das Gesangsduo um Ward Dufraimont und Veerle Vanrysselberghe heizte mit eingängigen Songs wie „Fire It Up“ und „Playin With Fire“ ein. Etwas rotziger wurde es mit Kickin Valentina und ihrer „Freak Show“ als Opening-Track. Die 2013 in Atlanta (USA) gegründete Band fühlte sich auf der Bühne des De Spiraal sichtlich wohl und Sänger D. K. Revelle weiß, das Publikum mitzureißen. Danach folgte mit Blackrain mein Highlight des ersten Tages. Die Franzosen um Sänger Swan Hellion brachte eine tolle Setlist mit alten Songs -hervorzuheben ist „Innocent Rosie“, immer noch super- und neueren Krachern wie „Untamed“ und „Kiss The Sky“. Das Cover „We’re Not Gonna Take It“ wäre für mich verzichtbar gewesen, aber kam trotzdem gut an.

Blackrain


Die Local Heros Wildheart, die das Festival mitorganisieren, belegten den Co-Headliner Posten des ersten Tages und feierten parallel noch das Release ihres neuen Albums „Wild `N Three“. Hier war mit Abstand am meisten los vor der Bühne und die Party nahm mit „Miss Treat Me Right“ und „Fire In The Hole“ ihren Gang. Gegen die heimlichen Headliner des Abends hatten The Treatment es selbst mit ihrem energiegeladenen Rotz-Rock echt schwer. Doch die Fans feierten zu „Let’s Wake Up This Town“ oder „This Fire Still Burns“. Mich hat die Band leider immer noch nicht überzeugt. Da muss für einen Headliner mehr kommen. Bemerkenswert finde ich noch, dass nicht nur Sänger Tom Rampton sehr aktiv auf der Bühne unterwegs waren, sondern alle, jedoch fand wenig Interaktion bei den Bandmitgliedern untereinander statt.

The Treatment

Der zweite Tag startete pünktlich 14 Uhr mit Mr Myst. Gemessen am Publikum steckte einigen noch der Vortag in den Knochen, so war es zum Start noch sehr übersichtlich vor der Bühne. Trotz aufwändiger Show mit Pyros konnte die belgische Sleaze Rock Band mich nicht überzeugen. Sleazig ging es weiter mit Bulletrain aus Helsingborg. Von vielen wohl schon für tot geglaubt, zeigten die fünf Schweden wie lebendig sie sind. Sänger Sebastian Sundberg inszenierte sich dabei gern selbst und machte seine Ansagen ausschließlich in Ich-Form. Doch neben viel nackter Haut brachten Bulletrain auch eine tolle Energie auf die Bühne und hatten sichtlich Spaß. Das konnten sie mit „Nothin But Trouble“, „We Salute You“ oder „Start Talkin“ auch aufs Publikum übertragen. Mit South Of Salem wurde nicht nur der musikalische Härtegrad etwas gesteigert, sondern auch das Qualitätslevel.Das sehr sympathische Quintett um Sänger Joey Draper aus Bournemouth (UK) zog viele Leute vor die Bühne und lieferte mit „Pretty Little Nightmare“ oder „Bad Habits (Die Hard)“ einschließlich einer Menge Pyros eine rundum klasse Show ab. Da Maverick ihren Auftritt aufgrund eines gesundheitlichen Notfalls von Gitarrist Ryan leider kurzfristig absagen mussten, sprangen die Schweden von Wildness ein, bei denen eigentlich gerade der Sängerposten unbesetzt ist. Dafür wurde spontan Osukaru Sänger Fredrik Werner engagiert, der zwar ein paar Lyrics ablesen musste, aber einen guten Job ablieferte. Ein Highlight war „Nightmare“, welcher im Duett mit der talentierten belgischen Sängerin Dani Hart performt wurde.

Bulletrain

Man munkelt übrigens, Fredrik würde dauerhaft bei Wildness das Mikro übernehmen, was sicherlich keine schlechte Lösung wäre. Gesanglich wirklich gut, doch ein paar mehr Frontmannqualitäten könnten nicht schaden (wobei das die früheren Wildness Sänger auch nicht so richtig hatten). Wir sind gespannt! Schön war übrigens, dass Maverick Bassist Richie Diver, welche die Band aus persönlichen Gründen verlässt, trotzdem da war und sich unter die Festivalbesucher mischte und so wenigstens einen kleinen Abschied abseits der Bühne hatte. Und schon stürmten meine Favoriten die Bühne. Nachdem Shiraz Lane bei ihrem letzten Wildfest Auftritt wegen Krankheit des Gitarristen Miki „nur“ eine Akustikshow hinlegten (die dennoch fantastisch war), kamen sie dieses Mal wieder vollständig (und) elektrisiert nach Geraardsbergen. Die fünf Finnen brachten mit viel Spielfreude und Faninteraktion eine wunderbare Energie auf und vor die Bühne und Sänger Hannes war sofort in seinem Element. Neben coolen neuen Songs wie „Plastic Heart“ (Live Premiere!) „Dangerous“ und „Bullshit“ fehlten auch Hits wie „Tidal Wave”, „Harder To Breathe“ und  „Do You“ nicht. Die Finnen schlossen obligatorisch mit dem Savage Garden Cover „To The Moon & Back“ ihr super kurzweiliges Set ab und hinterließen reihenweise strahlende Gesichter.

Shiraz Lane

Mit Art Nation stand schon der nächste Live Garant in den Startlöchern und Sänger Alexander Strandell zog mit seiner Goldkehle sofort das Publikum in seinen Bann. Die Setlist der Schweden fokussierte sich auf das neuste Album „Chapter V – The Ascendance“. Mit „Rise“ und der vor Schnulz triefenden Ballade „Julia“, die Strandell seiner Partnerin widmete, gab es zwei Live Premieren. Sleazig-rotzig wurde es dann mit The Cruel Intentions nochmal. Die Schweden hatten ihre Fangemeinde am Start und so wurden „Go Fuck Yourself“ und „Genie’s Got A Problem“ gleichermaßen wir „Salt I Ditt Sår“ in ihrer Landessprache abgefeiert. Verdienter Co-Headliner, auch wenn mich die Band nie so ganz einfangen kann. Nach einer kurzen Ansprache des Veranstalterteams, in der den Fans aus aller Welt für die jährliche Party gedankt wurde, hatten Crazy Lixx die Ehre des krönenden Wildfest Abschlusses. „Whisky Tango Foxtrott“ empfand ich zwar auch ungewöhnlichen Opener, doch trotzdem lieferten die Schweden um Sänger (und mittlerweile einziges Originalmitglied) Danny Rexon in gewohnter Manier ab. „Hellraising Women“, „Little Miss Dangerous“ und “Rise Above“ heizten ordentlich ein. „Silent Thunder“ ist immer geil und auch alte Stücke wie „21 Til I Die“ und „Blame It On Love“ machten die Setlist und die Party komplett.

Art Nation

Wie jedes Jahr war das Wildfest wieder ein wunderbares Festival mit einer unheimlich tollen Gemeinschaft aus Fans und Bands, die sichtlich emotional zum letzten Mal in Geraardsbergen nochmal ein Stück näher zusammenrückten. Es wurde sich umarmt, viele Fotos gemacht und natürlich kräftig gefeiert.
Dass jemand anderes das Festival weiterführen würde, ist bis dato lediglich ein unbestätigtes Gerücht. Veranstalter Jan und Sven werden die Szene weiter unterstützen und vereinzelt lokale Konzerte arrangieren.

Text + Photos: Juliane Eiserbeck