Skull & Crossbones: „Extrem viele gute Bands in Deutschland sind Fluch und Segen zugleich“
Sie gründeten sich 2019 im Baden-Württembergischen Gerstetten und veröffentlichten 2023 mit „Sungazer“ ihr sehr positiv bewertetes Debüt-Album: Das Quintett Skull & Crossbones. Nur knapp über zwei Jahre später erblickt der Nachfolger, getauft auf den Namen „Time“, das Licht der Welt, ein mehr als guter Grund, sich einmal mit dem Sänger Tobi Hübner nicht nur über das neue Werk zu unterhalten ….
Hallo Tobi ,Moin Moin, wie wir hier im Norden Deutschlands sagen. Danke, dass du dir ein paar Minuten Zeit für das Hardline Magazin nimmst und meinen Glückwunsch zu einem grandiosen zweiten Album! Ihr habt euch im Jahr 2019 gegründet, vier Jahre später euer Debütalbum veröffentlicht, nun, nur zwei Jahre später, erblickt „Time“ das Licht der Welt. Was sind die Signifikaten Unterschiede zwischen Album Nummer eins und zwei?
Hey Alex, danke, dass IHR euch die Zeit für uns nehmt, es freut mich sehr, dass dir unser neues Album gefällt. Also der größte Unterschied war, dass bei Sungazer schon ein Großteil der Songs als Grundgerüst stand, als ich Ende 2022 in die Band eingestiegen bin, sodass ich meine Gesangsarrangements mehr oder weniger den bestehenden Songs anpassen müsste. Jetzt bei Time war ich von Anfang an ins Songwriting involviert, von der ersten Idee bis zum fertigen Song, was es in Summe vielleicht etwas „ausgereifter“ wirken lässt. Ansonsten war die Herangehensweise relativ ähnlich, fette Riffs mit der für uns typischen Eingängigkeit, vor allem bei den hochmelodischen Refrains.

Wie entsteht im Hause Skull & Crossbones ein Song, erst Musik dann Text, erst Text dann Musik, oder einen Mix aus beidem?
Also oft ist es ein Mix aus beidem, ich habe einen Themenspeicher über die die Texte gehen sollen und oft habe ich auch schon einige Textfragmente fertig, bevor es überhaupt ein Song dazu gibt. Wenn ich dann eine Songidee bekomme, überlege ich mir immer zuerst, welches Thema könnte zu dem Song passen und finalisiere dann den Text.
Wer ist im Hause Skull & Crossbones für Musik, wer für die Texte zuständig? Oder ist es sowohl als auch Team-Arbeit?
Die Texte und das gesamte Gesangsarrangement, also Main-Vocals und die Chöre, schreibe ausschließlich ich. Die Musik wird zum Großteil von den beiden Gitarristen, Tobi oder Volker, geschrieben, wobei sich Bernd, unser Drummer, inzwischen schon früher ins Songwriting mit einbezieht und seine Ideen einbringt.
Wie lange dauerten die Arbeiten am zweiten Album, vom ersten Wort / von der ersten Note bis hin zur fertigen Produktion?
Die fertige Produktion war tatsächlich schon im November 2024 fertig, der Release war ursprünglich schon für März 2025 geplant, aber aufgrund Umstrukturierungen bei unserem Label Massacre Records gab es ein paar Verzögerungen, sodass es dann erst im November 2025 veröffentlicht wurde. Die ersten Demos haben wir Anfang 2024 aufgenommen, also direkt im Anschluss an die Veröffentlichung von Sungazer. Und genau so machen wir direkt weiter, die ersten Ideen für Album Nummer 3 sind bereits im Kasten
Wie viele Songs habt ihr in Gänze aufgenommen/kreiert? Ich frage, weil ich das Album wie schon in meiner Review beschrieben großartig und komplett ohne Füller finde …
Tatsächlich nur die zehn, die es dann auch schlussendlich aufs Album geschafft haben. Natürlich haben wir schon vorher selektiert, beispielsweise wenn ich eine Riff-Idee von Tobi oder Volker bekam, mit der ich im ersten Moment nichts anfangen konnte. Dann haben wir diese Idee nicht weiterverfolgt, aber das war weit vor es ein fertiger Song war. Also die Ideen, die wir als gut empfinden, arbeiten wir auch aus und die schaffen es dann auch aufs Album.
Nun war es euer Album Nummer zwei, ist man in der Release-Woche immer noch aufgeregt, wie das Album sich „schlägt“ oder ist die Zeit, wo die ersten Reviews eintrudeln, aufwühlender?
Eigentlich beides, klar ist man ultra gespannt, wie das Album ankommt, wie es sich in den Reviews schlägt, wir lesen hier wirklich jedes einzelne. Aber klar, der Moment, wenn das Album dann „wirklich“ draußen ist und für alle Hörer auf allen Wegen verfügbar ist, ist schon sehr cool. Es steckt ja wirklich sehr viel Zeit und Energie drin, da freut man sich natürlich mega, wenn das Endprodukt dann für die ganze Welt zu hören ist.

Oft ist ein Studio-Album ja schon einige Zeit vor VÖ fertiggestellt, mit ein wenig Abstand, haben sich bei euch Lieblingssongs entwickelt? Meine Favoriten sind „Echoes Of Eternity“, „Labyrinth Of Time“, „Time Thief“, „Passing Hours” und “The Ocean’s Call”.
Ja, die Lieblingssongs wechseln tatsächlich ständig, zumindest bei mir. Es gibt auch eine Zeit, in der man alles blöd findet und man die Songs nicht mehr hören kann, aber mit etwas Abstand liebt man dann doch wieder, was man fabriziert hat (lacht)
Mein aktueller Lieblingssong ist „Passing Hours“, wobei live irgendwie „The Illusionist“ am meisten Spaß macht.
Mir gefällt das Cover von „Time“ wirklich gut, wessen Idee war es und wie war die Zusammenarbeit mit dem Michael Vetter, der sich für die Umsetzung verantwortlich zeigt?
Die Ideen zu Albumname und Artwork haben wir fünf bandintern beschlossen und ausgearbeitet. Micha hat dann anschließend die genausten Vorstellungen von uns bekommen, die er dann umgesetzt hat.

Abschließendes Thema Live: Mir fehlen ehrlich gesagt Termine von euch, denn gerade eure Art von Musik sollte doch live wunderbar funktionieren und auch für die Vermarktung des neuen Werks wäre es zumindest nicht von Nachteil, aber vielleicht irre ich auch. Ist da in den kommenden Wochen etwas geplant, frei nach dem (etwas abgeänderten) Satz von Franz Beckenbauer, „geht’s raus und spielt Musik“ 😉.
Empfinden wir tatsächlich nicht so, wir haben im Vergleich zu anderen Bands in unserer Größenordnung recht viele Live-Termine. Klar würden wir uns auch über noch mehr freuen, aber dadurch, dass wir das Booking zu 95% selbst machen, ist das schon recht cool, was geht. Wir sind aber tatsächlich momentan an verschiedenen Booking-Agenturen dran und schauen, ob da etwas passendes für uns dabei ist, was zu unseren Vorstellungen passt.
Anhängende Frage zu diesem Thema, mit welchen Problemen müssen sich die „etwas kleineren Band“ herumschlagen, die einem normalen Fan eventuell gar nicht geläufig sind? Es gibt so viele wirklich gute Bands hier in Deutschland, wie ihr mit großartige Alben am Start, die man selten live erleben kann. Ein Grund dafür ist bestimmt, dass viele noch einen Tagesjob & Familie haben, welche Probleme existieren darüber hinaus?
Genau, das Problem sind die echt vielen, gute Bands hier überall, das macht es nicht wirklich einfach. Und das Booking ist wirklich ein undankbares Thema, man schreibt so viele Mails und knüpft Kontakte, zu 90% kommt nicht mal eine Absage zurück, das ist schon oft sehr ernüchternd. Und klar, Familie haben wir auch, wobei die uns echt sehr den Rücken freihalten und uns unterstützen. Wir machen einfach das, worauf wir Spaß haben, haben eine coole Zeit bei den Konzerten, die wir haben. Das ist das, was schlussendlich zählt.

Wie bereits in meiner Review geschrieben, well done, ein wirklich tolles Album, das jeden Genre-Fan gefallen MUSS! Euch erst einmal alles Gute, viel Erfolg weiterhin mit dem Album, viel Spaß bei den angekündigten Live-Gigs, vor allem aber, bleibt gesund!!!
Vielen lieben Dank, das wünschen wir dir ebenfalls, hoffentlich sieht man sich bald mal irgendwo, wenn wir uns dann auch mal in den Norden des Landes begeben (lacht).
Text: Alexander Stock
