Alter Bridge – „Alter Bridge“
Alter Bridge
„Alter Bridge“
Napalm Records / SPV
Es gibt Bands, bei denen man fast versucht ist zu sagen: „Kennst du ein Album, kennst du alle.“ AC/DC oder Motörhead passen da als gern genannte Beispiele. Und ja – auch Alter Bridge schrammten zuletzt ein wenig an dieser Schublade entlang. Nicht weil die Qualität nachgelassen hätte, ganz im Gegenteil: Die Platten waren allesamt stark und laufen bei mir bis heute ohne Ermüdungserscheinungen. Aber das Überraschungsmoment – dieses „Was machen sie diesmal?“ – war zuletzt ein bisschen auf der Strecke geblieben. Interessanterweise zeigten gerade die Soloalben von Myles Kennedy und Mark Tremonti, wie breit beide eigentlich aufgestellt sind. Man hörte dort Klangfarben, Ideen und Stimmungen, die bei Alter Bridge lange nicht mehr so klar durchschienen. Und genau diese Erfahrungen scheinen jetzt – zusammen mit der jüngsten Creed-Reunion – wie ein Katalysator gewirkt zu haben. Denn das neue, selbstbetitelte Album fühlt sich an wie ein Neustart, als würde die Band einmal tief durchatmen und dann mit Vollgas lospreschen. Die Entscheidung, das Album schlicht Alter Bridge zu nennen, wirkt damit alles andere als beliebig. Viele Bands nutzen diesen Schritt für ihr Debüt – oder für einen Moment, in dem sie ihr Fundament neu abklopfen. Und genau so klingt diese Platte: frisch, motiviert, hungrig. Die Songs haben eine sehr unmittelbare Energie. Die Handschrift der Band ist natürlich unverkennbar – Kennedys Stimme, Tremontis Gitarrenarbeit, Phillips’ und Marshalls treibender Groove –, aber alles wirkt etwas ungeschliffener, kantiger, lebendiger als zuletzt. Tracks wie ‚Silent Divide‘, ‚Rue The Day‘ oder ‚Power Down‘ strotzen vor roher Kraft, ohne in Chaos zu kippen. Sie wirken eher wie der Beweis, dass Alter Bridge noch immer Feuer in der Brust haben und dieses Mal entschieden haben: Wir drehen das wieder voll auf. Das Ergebnis? Ein Album, das sich gleichzeitig vertraut und doch neu anfühlt – und das die Band so leidenschaftlich und wach präsentiert wie schon lange nicht mehr. Mit ihrem selbstbetitelten Album zementieren Alter Bridge ein weiteres Mal ihren Status als eine der derzeit stärksten Rockbands.
(9/10 – PSJ)
