Das M’era Luna Festival 2026, so war’s …..
M’era Luna Festival / Hildesheim
Seit mittlerweile 26 Jahren trifft sich die schwarze Szene im August beim M’era Luna Festival, so dann auch im Jahr 2026. Und auch in diesem Jahr war es wieder proppenvoll, was zum einen an den Bands lag, die in diesem Jahr performten, zum anderen ist das M’era Luna Festival aber auch schon immer mehr als nur Musik gewesen. So gehörte in diesem Jahr neben der Musik unter anderem schwarzes Yoga, Bodypainting, Schreib- und Stylingworkshops, Mittelaltertanz und diverse Vorträge zum Rahmenprogramm. Es ist zudem Treffpunkt Gleichgesinnter, für viele ein langer Laufsteg, ein komplettes Wochenende lang eine ganz eigene kleine Welt.

Wobei es in diesem Jahr einen Mü weniger mittelaltergekleidete Menschen gab, was allerdings den hochsommerlichen Temperaturen von bis zu 35°C geschuldet war. Vielleicht auch deswegen verzichteten einige komplett auf Wäsche und erschienen nur im schwarzen Netz-Overall, but … who cares, an diesem Wochenende war man eine große Familie.

Das Festival begann für viele nicht erst am Sonnabend, wo die beiden Bühnen bespielt wurden, sondern schon am Freitag, wo es mit Workshops, Mittelaltertanz, Crypt Talk und Lesungen bereits reichlich zu erleben gab. Ab Sonnabend wurde es dann auch auf den Bühnen aktiv und laut. Auf der Hauptbühne gaben sich am Tag u.a. Bands wie Xandria, Unzucht, Megaherz oder White Lies die Ehre. Bei der kleineren Clubstage waren Gruppen wie Principe Valiente, Tyske Ludder, Agonoize, Nachtmahr und Front Line Assembly am Start.

Allen, die noch nie beim M’era Luna waren, sei gesagt, dass, wenn man einmal neue Musik aus dem Bereich Darkrock und Elektro kennenlernen möchte, es sich lohnt, sich den ein oder anderen Moment der kleineren Stage zu widmen. Dieses kann man jederzeit machen, man sollte sich jedoch gut überlegen, ob es die richtige Entscheidung ist, wenn eine der Speerspitzen des Mittelalterrocks auf der Main Stage loslegt, Und so war es wenig verwunderlich, dass das Field bei In Extremo komplett gefüllt war, wer gut sehen wollte, musste rechtzeitig vor Ort sein. Und die Mannen um Sänger Michael Robert Rhein lieferten, sowohl musikalisch als auch mit ihrer feurigen Show. Eigentlich gab es außer bei „Küss Mich“ zu jedem Song Feuer oder Funkenregen. Subjektive Highlights waren „Spielmannsfluch“ (was gleich als Zweites gespielt wurde), „Liam“, „Störtebeker“ und Sternhagelvoll“.

Headliner an diesem Sonnabend waren die Symphonic-Metaller von Within Temptation, die aber nicht annähernd so viele Fans im Feld hatten wie In Extremo. Vielleicht passt auch die Art der Musik nicht 100%ig zum M’era Luna, nichtsdestotrotz begeisterten die Niederländer wie gewohnt die Massen. Dieses mit Songs wie „Bleed Out“, „Faster“, „In The Middle Of The Night“ oder „Paradise (What About Us?)“, bei denen getanzt und geklatscht wurde, was die Beine und Arme hergaben.

War das Wetter am Sonnabend schon gut, wurde es am Sonntag mit 35°C hochsommerlich heiß, ab spätem Mittag war das Hauptziel vieler der Schatten. Und so verwunderte es nicht, dass das große Field vor der Main Stage zwar gut gefüllt aber bei weitem nicht voll war. Dieses machte bei den Bands aber eher weniger Eindruck, diese performten souverän und gut. Tagsüber gaben sich bei der Hauptbühne Gruppen wie Stahlmann, The 69 Eyes, L’Âme Immortelle, die aktuelle Nightwish-Sängerin Floor Jansen und Lacrimosa, die wieder vereint mit der längere Zeit krankheitsbedingt abwesenden Anne Nurmi auftreten konnten, die Ehre.

Parallel zur Hauptbühne spielten auf der Clubstage Bands vom Schlage SynthAttack, Eisenfunk, Jesus On Extasy, Then Comes Silence, Clan Of Xymox, Neuroticfish, Aesthetic Perfection, Die Krupps und IAMX. Gerade an diesem zweiten Festivaltag war es vor dieser Clubstage, welche über ein Dach verfügt, das Schatten spendete, tatsächlich selten leer. Proppenvoll hingegen war es am frühen Abend beim ersten M’era Luna Auftritt von OMD, dem Orchestral Manoeuvres in the Dark.

Es war grandios, was Sänger/Bassist Andy McCluskey und Keyboarder Paul Humphreys (der bei „(Forever) Live and Die“ auch als Sänger fungierte) und Kollegen eine Stunde lang boten. OMD schenkte dem Festival eine Stunde der absoluten Glückseligkeit (so hatte es ein Kollege treffend bezeichnet), die Leute haben nach Songs wie „Electricity“, „If You Leave“, „So In Love“, „Sailing On The Seven Seas und final „Enola Gay“ getanzt, geklatscht und waren einfach nur glücklich. Ganz besonders, als sie von OMD mit dem Übersong der Band, „Joan of Arc (Maid of Orleans)“, fast 45 Jahre zurück in die Vergangenheit gebeamt wurden.

Alles in allem ein wirklich fantastischer Gig, der allerdings noch übertroffen werden sollte, und zwar vom Headliner des zweiten Tages, von Saltatio Mortis. Wie In Extremo am Vortag sparten auch die Mannen um Sänger Alea (Jörg Roth) nicht mit Feuersalven und ließen das Field tanzen, springen und klatschen. Subjektive Highlights waren „Loki”, “My Mother Told Me / Valhalla Calling” und “Für Immer Jung” … und Aleas Fahrt im Drachenboot.

Fazit: Es waren wieder großartige zwei/drei Tage, in denen JEDER willkommen war, egal ob Metaller, Dark Rocker, Elektro-Anhänger oder Mittelalter-Nerd. Exakt soooo soll es sein!
Text & Fotos: Alexander Stock
