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Unser großes Interview mit T. G. Copperfield: „Immer einen Song in den Satteltaschen

Es ist wirklich erstaunlich, wie sehr die Musik des aus Bayern stammenden Künstlers T. G. Copperfield den Hörer und Liebhaber des amerikanischen Lebensgefühls von Staub und Prärie einzufangen vermag! Der Songwriter und fleißige Live-Musiker schafft es auf professionelle Art, in Sachen Blues, Americana, Roots Rock und Classic Rock, eine dermaßen authentische Atmosphäre zu zaubern (sowohl auf der Bühne als auch im Studio), welche man jederzeit auch in einer Bar, oder einem Live-Club in den USA, genauso vorfinden könnte. Die inzwischen zehnte Veröffentlichung der letzten Wochen, „Out In The Dessert“, zusammen mit dem aus New York stammenden Gitarristen Ben Forrester, veranlasste uns natürlich dazu, Herrn Copperfields Ambitionen zu seiner Musik einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und dem sympathischen Süddeutschen einige Fragen zu stellen.

T.G. Copperfield (2017)

T. G., du bist Bayer und bei Roots Rock, Americana, Country, sowie Blues, denken wir nicht in allererster Linie an Bayern (lacht). Erzähl uns doch bitte etwas über dich und wie du überhaupt zu dieser Art der Musik gekommen bist.

Ich bin zwar aus Bayern, aber ich bin mit amerikanischer Musik groß geworden. Mein Vater war sehr musikbegeistert und seine Plattensammlung hat vieles enthalten, was mich heute noch sehr prägt: Creedence Clearwater Revival, die Stones, Wilson Pickett, die Beatles und das Beste der 60s und 70s. Ich bin in einer Bäckerei in einem kleinen Dorf auf dem Land aufgewachsen und da lief immer das Radio. Ich war als von Musik umgeben und habe gelernt, dass dies doch ein sehr wichtiger Punkt im Leben ist und den harten Arbeitsalltag auflockert, denn bei uns ging es im wahrsten Sinne des Wortes immer heiß zu. Ich habe schon früh Tom Petty, die Dire Straits und Eric Clapton entdeckt. Von da aus ging meine musikalische Erkundungsreise los und ich habe mir alles reingezogen, was diese Künstler beeinflusst hat und die Entdeckungsreise ist selbst jetzt noch nicht abgeschlossen.

Wann hast du mit der Musik begonnen?

Mit Zwölf oder Dreizehn wollte ich unbedingt eine Gitarre haben. Damals habe ich das Black Album von Metallica rauf und runter gehört und als ich die Dokumentation (damals auf VHS) gesehen hatte, wie die Band im Studio die Songs aufgenommen hatte, da wusste ich, dass ich genau das auch mal machen will. Nach genau einer Gitarrenstunde habe ich mir dann das Peter Bursch Gitarrenbuch gekauft (damals noch mit Schallplatte) und von da an habe ich mir vorgetastet. Erste Bands kamen dazu und ich wollte aber schon immer meine eigene Musik machen. Ich war immer ein schlechter Cover-Gitarrist. Es hat mich irgendwie nie so richtig motiviert, Sachen perfekt nachzuspielen. Das können andere wesentlich besser als ich. Aber ich erinnere mich noch genau, dass ich mit ca. 15 meinen ersten Song geschrieben habe. Das war ein Meilenstein für mich.

Magnolia (2019)

Du hast ja nicht nur dein Solo-Projekt und warst auch in Bands sehr umtriebig. Wie sah das aus?

Ich spiele seit vielen Jahren in mehreren Bands. Angefangen hat das mit einer Band, die erst eigenes Material geschrieben hat, aber dann irgendwann in eine Coverband mutiert ist und dann den Weg zurück nicht mehr gefunden hat. Das war dann irgendwann zu viel für mich und ich habe dann die Southern Bluesrockband „3 Dayz Whizkey“ ins Leben gerufen. Erst als Bluestrio und dann als 5-Piece mit Fokus auf eigenen Sachen. Da ist mit 4 Studioalben und einem Livealbum sehr viel Geiles entstanden, aber hier haben sich dann die Prioritäten innerhalb der Band etwas verschoben, was im Prinzip dann dazu führte, dass wir nicht mehr live spielen konnten. Deshalb habe ich das erstmal auf Eis gelegt und mich auf meine Solokarriere konzentriert. Immerhin geht es mir darum, Musik zu komponieren und sie live zu spielen. Der monetäre Aspekt stand bei mir nie im Vordergrund.

Der monetäre Aspekt stand bei mir nie im Vordergrund“

Nun bist du mit „Out In The Desert“ bereits mit dem zehnten Album am Start. Unglaublich beachtlich, wenn man sich Deinen Output ansieht. Woher nimmst du all diese Kreativität?

Man muss dazu sagen, dass ich erst 2017 unter der Bezeichnung T.G. Copperfield angefangen habe, Musik zu veröffentlichen. Das ist also ein guter Schnitt. Aber das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich beim Beenden eines Projekts schon wieder daran denke, was ich als nächstes machen könnte. Ich bin ja in der Lage, dass ich machen kann, was ich möchte. Also ein Bluesrock-Album, dann eine Rootsrock-Konzeptplatte oder ein Americana Album, wer weiß, was als nächstes kommt und worauf ich Lust habe. Vor allem aber macht es natürlich Live superviel Spaß, wenn man auf ein großes Repertoire zurückgreifen kann und nicht immer und immer wieder die Songs der ersten Platte spielen muss. Ich möchte mich ja auch weiterentwickeln.

The Electric Band (2021)

Dazu kommt noch dein Fleiß in Sachen Live-Gigs. Gefühlt bist du ja 24/7 über die Bretter der Republik unterwegs. Wie schaffst du das alles?

Das ist alles eine Frage der Organisation und weil ich mit einer erstklassigen Band zusammenarbeite, brauche ich mich hier nicht um die Basics zu kümmern. Musikalisch passt das immer und alle haben Bock darauf. Nur so kann das funktionieren. Aber natürlich ist das bei unseren Terminkalendern schon immer eine ganz schöne Herausforderung. Aber das ist eher ein Luxusproblem und ich bin froh, dass uns so viele Veranstalter ihr Vertrauen schenken.

enge Terminkalender sind ein Luxusproblem“

Auf deiner neuen Scheibe spielst du zusammen mit Ben Forrester. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Ben ist ein Gitarrist, der aus New York stammt und schon einige Jahre hier in Deutschland wohnt. Ich habe ihn auf Tour bei mehreren Konzerten gesehen und als ich mein letztes Album „Snakes & Dust“ abgeschlossen hatte, war mir erst noch nicht ganz klar, was mein nächster Schritt sein sollte. Ich hatte viele Songs, aber die Richtung war mir nicht ganz klar. Ben hatte zu dem Zeitpunkt signalisiert, dass er offen ist für neue Projekte und ich habe ihn auf meine Ranch eingeladen. Wir haben ein paar Bierchen und Whiskeys getrunken, ich habe ihn meine Songs auf der Akustikgitarre vorgespielt und er hat gemeint, da wäre er gerne dabei und könnte seine Gitarrenparts beisteuern. Fünf Monate später war das Ding fertig. Die Scheibe beinhaltet nicht nur großartige Musikstücke, sondern man sollte sich auch mit den Texten befassen, die teilweise sehr ernst sind. Was treibt dich bei den Lyrics am meisten um? Das Album hat einen düsteren Unterton. Im Prinzip geht es mir darum das Gefühl des Kontrollverlusts, den wir gerade durchleben, in Musik zu fassen. Krisen, wie die Pandemie, der Ukrainekrieg, Inflation oder Klimawandel haben uns ganz schön durchgeschüttelt und überall schleicht sich dieses Gefühl ein, dass man kurz vor der nächsten Katastrophe steht. Depression ist eine Volkskrankheit und solche Themen ziehen sich durch das ganze Album. Verpackt in schöne Melodien.

Snakes & Dust (2022)

Kannst du uns einen Querschnitt der Song-Themen auf dem Album vermitteln?

Ich will nicht zu viel dazu sagen, weil ich es eigentlich immer spannend finde, wie sich jeder einzelne Hörer dazu angesprochen fühlt. Aber wenn man genau hinhört, kann man schon hören, dass es textlich oft mal um Krieg, psychische Belastungen, Vertrauensverlust oder Einsamkeit geht. Der moderne Blues, die Wüste und die Suche nach dem Sinn hinter dem Ganzen. Musikalisch geht es um den Vibe, die Stimmung, die den Hörer abtauchen lässt. Ich wollte nicht einfach eine Aneinanderreihung von Songs, sondern ein stimmiges Klangbild mit Tiefgang erschaffen.

Was steht als nächstes an, neben deinen Liveaktivitäten? Gibt es eine Art Sommerpause?

Derzeit freue ich mich einfach auf jeden Gig. Ob Solo, im Acoustic Trio, mit der Electric Band und zu fünft mit Ben Forrester an der Gitarre. Ich genieße diese Abwechslung sehr und wir fügen eigentlich ständig neue Termine hinzu. Also eine Sommerpause passiert nur deshalb, weil die Clubs in der Regel im Sommer nicht so viel veranstalten. Da ist das Publikum lieber draußen. Aber auch da sind ein paar schöne Konzerte vom Stadtfest bis zum Festival, auf die ich mich auch schon freue.

aktuelle Album „Out In The Desset“ (2023)

Gerne noch ein paar Sätze an zukünftige (viele) Fans:

Vielen Dank an alle da draußen, die uns live unterstützen und unsere Musik hören. Wir haben so viel Spaß auf den Konzerten und das obwohl wir vom Mainstream so weit entfernt sind, wie nur möglich. Rock and Roll ist nicht tot und wir halten ihn mit euch am Leben!

Text: Steve Leikeim

http://www.tgcopperfield.com/